Meinung | Kolumnen | Chaosdeluxe
05.12.2011

chaos DE LUXE: Die Hausfrau

Das Schreckgespenst des Feminismus.

Sehr verheiratet, der Mann. Auch gut. Ist ja keine Krankheit. "Und", frage ich meinen zufälligen Sitznachbarn im "Schweizerhaus" (ja es gibt Momente, in denen Stelzen unumgehbar sind, Cholesterin hin oder her), "was macht sie denn, deine liebe Frau?" - "Sie ist zu Hause", antwortet mein Schweineschenkel-Companero, seines Zeichens Investmentbanker. "Aber das ist doch noch kein Beruf. Sind die Kinder noch klein?" - "Nein, wir haben nur eines und das ist eben ausgezogen. Sie will aber jetzt ein Kinderbuch schreiben." Auch so ein Virus: Ständig trifft man auf Frauen, die drauf und dran sind ein Kinderbuch zu schreiben. Sind Kinderbücher die Ausdruckstöpferei der Zehner-Jahre? Und fast ebenso ständig scheint sich eine Branche durchzusetzen, die man eigentlich in der Altersgruppe 50-Minus für ausgestorben gehalten hat: Die Hausfrau. Das Schreckgespenst des Feminismus, unsereins eigentlich nur mehr aus "Desperate Housewives" und von unseren Omas ein Begriff. Und ich rede hier nicht von jenen temporären Hausdamen, die sich wegen der Kindsaufszucht eine Auszeit nehmen, das ist ja völlig in Ordnung. Nur: Sobald die des aufrechten Gangs mächtig sind und die Teilalphabetisierung überwunden haben, muss damit wieder Schluss sein. Ohne ersichtliche Behinderung kann man die Herren nicht allein im Hamsterrad der Erwerbstätigkeit ihre Runden drehen lassen. Ist nicht fair.

"Sie sehen sehr müde aus", findet der Investmentbanker jetzt - anscheinend als Rache dafür, dass ich sein Weibchenschema in Frage gestellt habe. "Jaja, die Rosenzucht und die Fruchtverwertung halten mich ordentlich auf Trab. Ein Apfelkuchen-Inferno hab ich auch hinter mir. Kleben geblieben!" Jetzt winkt er dem Kellner. Zum Abschied entschuldige ich mich noch mit einem Udo-Lindenberg-Zitat: "Ich wäre eigentlich viel lieber ganz anders. Nur komm' ich so selten dazu."

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