Willkommen, Sugar-Mamas!

Unvorhergesehene Haken der Liebe.

Die ist ausgezogen, hat ihre Familie Knall und Fall verlassen und wohnt jetzt mit diesem Syrer in einer 30-Quadratmeter-Kaschemme jenseits des Gürtels.  Der ist 27! Ist das nicht irre!?“ Fs Oberlippe zitterte in einer Empörungskaskade, das Beichten anderer Leute Sünden schien ihr Adrenalin in die so lang vermisste Wallung zu bringen. „Ist doch schön, wenn die Liebe unvorhergesehene Haken schlägt“, versuchte ich sie zu beruhigen. „Liebe?!!!!“, schnappatmete sie, „wo steht bitte das Gerüst, von dem du runtergepurzelt bist? Das ist doch nichts anderes als eine Handelspartnerschaft. Sie vibriert in einem hormonellen Rausch, hechelt der Illusion, endlich wieder begehrt zu werden, hinterher, er bekommt Nike-Turnschuhe, eine E-Klassen-Wasserpfeife, Ray Bans, bis der Arzt kommt und wird auch sonst in finanzieller Abhängigkeit gewiegt. Mit Liebe hat das gar nichts zu tun.“  Solche Anekdoten werden mir an den Beilagen Entsetzen und Sensationsgier neuerdings immer häufiger beim Smalltalk serviert. Die Flüchtlingswelle hat unser soziologisches Spektrum um den Typus der Sugar-Mama erweitert. Frauen bedienen sich dabei eben jenes Prinzips, das Männer seit Jahrhunderten perfektioniert hatten: den Hunger nach süßem Leben beim Objekt der Begierde so zu triggern, dass der Dolce-Vita-Provider davon auch  profitiert. Ich finde das genderpolitisch total in Ordnung. „Vielleicht ist es nicht Liebe im klassischem Sinn“, pfiff ich sie jetzt an, „dann nenn’ es eben temporäres Glück oder eine von beidseitigem Pragmatismus getragene Crossover-Romanze. Emotionale Handelspartnerschaften sind  ein gängiges Konzept, schau’ dich doch einmal um: Wieviele Gattinnen harren bei ihren Typen aus, weil sie sich in den Lifestyle verliebt haben, und dafür gelernt haben, den dazugehörigen Mann zu ertragen?“ F war übrigens Teil dieser Spezies. Sie sah mich jetzt hasserfüllt an und murmelte so etwas wie „Sei bitte nicht immer so negativ!“

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(KURIER freizeit am Samstag) Erstellt am
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