über Humor und Eier kraulen
06/25/2016

„Was Fertiges”

Warum man zum Blödeln g'scheit sein muss.

von Polly Adler

„Zum Blödeln muss man g’scheit sein“, war das Glaubensbekenntnis von Herrn Farkas.

Polly Adler | über Humor und Eier kraulen

Das große Glück in meinem – in manchen Leistungsfeldern – so voll patscherten Leben (Vollversagerin bei pekuniären Hamster-Strategien, Stufe vier einer Prokrastinismus-Neurose,To-do-Listen-Panik, ein voll blechernes Händchen beim anderen Geschlecht) ist, dass ich im Lauf der Jahre so viele Lachfreunde gefunden habe. Menschen, die einfach jenen kostbaren Stoff aus Witz, Schmäh, Selbstironie und einer gewissen Pointenbesessenheit im Handgepäck griffbereit tragen, der das Leben von einem Dasein unterscheidet. Die oberste Regel jener Auserwählten: nicht einmal bei angesetztem Metall an der Schläfe Witze der Kategorie „Kommt-ein-Mann-zum-Arzt“ zu erzählen. Da sind mir bei Partyeinladungen sogar noch die lieber, die in aller Jogi-Löw-esker Manier sich die Eier kraulen und die Speisereste zu Fuß aus den Zahnritzen pulen, als die Kommt-ein-Mann-zum-Arzt-Typen. „Zum Blödeln muss man g’scheit sein“, war das Glaubensbekenntnis von Herrn Farkas, und ich als Goi darf das sagen: Jüdische Herkunft ist sehr hilfreich, um an der vordersten Humorfront mitmischen zu können. Nachzulesen bei den Herrschaften Dorothy Parker, Woody Allen, Isaac B. Singer, Anton Kuh undundund. Der Pointen-Stunt der Tante Jolesch, der Herr Torberg, zeigt das Prinzip der lakonischen, aus der Hüfte geschossenen Pointe vor, als er seiner Heldin (auf die Frage, welche Speise sie als Henkersmahlzeit bestellen würde), „Was Fertiges“ in den Mund legte. Möglicherweise hat sich die Pointe generell im Zuge der Diaspora als bestes seelisches Frostschutzmittel etabliert. Woody Allen, der an die 48 Psychoanalytiker im Laufe seines Lebens sanatoriumsreif geredet haben soll, pflegte auf die Frage nach seinem Befinden zu antworten: „Ein Jahr gebe ich meinem Psychiater noch, dann geh’ ich nach Lourdes.“ Und für alle Glaubensrichtungen gilt das Gebot des famosen Stand-up-Comedians Mort Sahl: „Die Leute sehen einfach besser aus, wenn sie lachen.“

polly.adler@kurier.at

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