Meinung | Kolumnen | chaos DE LUXE
05.08.2017

Musen-Masochismus

Ringelreihen-Tänze um den Narzissten.

Wo ist jetzt eigentlich die Hauptfrau?

Polly Adler | über Musen-Masochismus

Altaussee, mon amour, inklusive Sommergäste-Irrsinn. Der Malerfürst schält sich aus dem Dunklen, mit ihm eine Maid, die er mit den Worten „Und hier eine gute Seele aus der Umgebung“ vorstellt. Die gute Seele lächelt verschämt. Ich raune ihm zu: „Wo ist jetzt eigentlich die Hauptfrau?“ – „An der Adria, mit den Kids. Ich habe einmal Urlaub von der Familie gebraucht.“ Der Mann scheint den Traum vieler seiner Artgenossen verwirklicht zu haben: Swinging Single mit Familienanschluss. Errötungsaufkommen bei der Umgebungs-Seele, die die Situation etwas überfordert und deswegen auf einen Power-Nap verschwindet. So eine Adorierungs-Existenz muss ja wirklich ziemlich energieraubend sein. 24/7 Ringelreihen um den Narzissten tanzen, ich werde schon schläfrig beim bloßen Gedanken. „Zahlt es sich aus, sich an sie zu gewöhnen? Wird sie ein paar Tage bleiben?“ Entsetzen beim Malerfürsten: „Bist du verrückt? Eine Beziehung kommt jetzt überhaupt nicht für mich in Frage, das Werk geht vor. Die ist nur auf der Durchreise.“ Wie sich im Verlauf des Gesprächs herausstellt, kreist nach der Abreise der Durchreisenden schon eine neue Muse mit offensichtlichem Hang zum Masochismus in der Warteschleife zum Einchecken in das Malerfürsten-Universum. Warum tun sich diese Frauen das an? Es ist wie Zocken ohne jede Gewinnchance. „Fame, Baby“, sagt der Malerfürst, „das fährt bei Frauen noch besser als Kohle. Wenn du berühmt bist ...“ „... you just have to grab them by the pussy – in lieber Donald-Trump-Manier?“ Er nickt begeistert. Feminismus ist nicht so sein Ding. „Und deine Frau? Ahnt die was von deinem polyamourösen Leben?“ – „Klar. Wir leben das ganz französisch. Bei öffentlichen Anlässen wandern die Musen ins Depot, da ist sie an meiner Seite. Und ansonsten ist sie – glaube mir – ganz froh, wenn sie ein wenig entlastet wird.“ Ich beginne,
sie zu verstehen.

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