über den Beziehungsstatus-Terror
03/11/2017

Beziehungsstatus-Terror

Therapie mit den „Lustigen Witwen”.

von Polly Adler

So einsam wie zu zweit bin ich allein nie.

Polly Adler | über den Beziehungsstatus-Terror

Wie ist euer Beziehungsstatus?“, fragte die reizende TV-Reporterin unsere „Amourhatscher“-Lesetruppe in der Rabenhof-Garderobe. Da platzte unserer Burg-Diva der Kragen: „Allein dieses Wort bringt mich schon auf eine Palme in Mount Everest-Höhendimension! Meinen Beziehungsstatus wollen Sie wissen: Ich bin in schwebender Verbindung mit dem Kosmos.“ Ich konnte sie verstehen: Wenn man nicht in diesem klassischen We-people-Modus durchs Leben tuckert, muss man sich ständig dafür rechtfertigen: Nein, man hat keinen regelmäßigen Herren, der mit einem am Samstagvormittag einen Branzino am Naschmarkt schießen geht oder bei Ikea Grundsatzdiskussionen führt. Deswegen ist man aber kein mitleiderregender Restposten und findet es auch völlig in Ordnung, dass es Menschen gibt, die den Pas de deux zu ihrem Lebenskonzept erkoren haben. Zugegeben: Manchmal denkt man sich, es wäre ganz nett, wenn man im devastierten Zustand nach Redaktionsschluss gefragt wird: „Wie geht es meinem armen Häschen? Hat es schon wieder so viel roboti machen müssen?“ Aber nüchtern betrachtet ... egal. Dann blinzelt man manchmal wieder in Paarbeziehungen und denkt sich: „Doch recht oft sehr betreuungsintensiv, so ein Lebensgefährt.“ In jedem Fall sollte die Menschheit endlich damit aufhören, sich in diesen Wettbewerb der Lebensstile zu begeben. Vor allem Frauen entwickeln dabei eine ungeheure Stutenbissigkeit. Eine frisch getrennte und extrem erfolgreiche Freundin flüsterte mir unlängst: „Ich habe drei Jahre meines Lebens in einer unglücklichen Beziehung verschenkt, nur weil ich in Panik war, ohne Kerl dazustehen.“ Ich empfehle ihr als Therapie einen Besuch im Club der „Lustigen Witwen“: Das ist eine Truppe von Frauen, die ihre Männer auf natürlichem Weg verloren haben und nach einer angemessenen Trauer-Zeit noch einmal richtig Lebensfreude-Gas geben. Eine von denen zwitscherte kürzlich am Rollator stehend: „So einsam wie zu zweit bin ich allein nie.“

polly.adler@kurier.at

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