Meinung | Kolumnen | chaos DE LUXE
16.12.2017

Baba, Entenbrust

Wie man seinen inneren Streber entmachtet.

Wie man seinen inneren Streber entmachtet.

Polly Adler | über Entenbrust

Schalömchen, Katastrophe. Es war weg. Das Tajine-Rezept mit den Granatapfel-besamten Entenbrüsten in diesem Fond aus superorientalischen Gewürzen und extrem glücklichen Orangen. Noch hörte ich die Ah- und Oh-Orgasmen der Gäste bei diesem Abendessen, wo ich mir mein eigenes Tajine-Denkmal gesetzt hatte. Ich durchwühlte drei Dutzend Kochbücher und einen kleinkindhohen Stapel an Tussi- Magazinen – vergeblich. Mein Magen krümmte sich vor lauter Ärger, ich fluchte wie ein georgischer Zuhälter. Selbsthass, Überforderung, Verzweiflung über die schwindenden Kräfte meines einst so verlässlichen Triple-A-Gedächtnisses. Dann stellte die Hippie-Seite meiner kleinen Ich-AG die alles entscheidende Frage: „Hey, du paranoides Scherzkeks, hast du bitte keine anderen Sorgen? ... Es werden die Raben morgen genau so krächzen, wenn du der Meute was erfrischend Langweiliges wie ein gefülltes Huhn vorsetzt. Entspann dich! Dieses Leben ist keine Rennstrecke! Und deswegen auch kein Wettbewerbszwang. Hör endlich auf, wie deine eigene Eislaufmutti auf dir zu hocken. Scheitern kann so herrlich entspannend sein. Und wenn dir danach sein sollte, lad einfach alle wieder aus und schau dir acht Folgen am Stück von irgendeiner abgedrehten Netflix-Serie an.“ Ein verführerischer Gedanke. Und tatsächlich: Außer sterben, die Steuererklärung ausfüllen und die Haare nachfärben musste man relativ wenig im Leben zwingend. Das Kind hatte man in der Schicksals-Garderobe abgegeben. Das war natürlich traurig, machte einen aber auch so herrlich frei. Übrigens: Ich habe das vermaledeite Entenbrust-Rezept zwischen den Horoskop-Vorschauen 2018 (klar, meiner unwürdig, aber sehr unterhaltsam) gefunden. Ich zündete es langsam an und warf es in den Ofen. Dabei flüsterte ich: „Baba und fall net! Österreich pfeift auf Entenbrust, Österreich braucht Gelassenheit!“Buchtipp: Pollys „Amourhatscher“ (bei Amalthea) – die besten 250 Kolumnen aus 20 Jahren.www.pollyadler.at polly.adler@kurier.at