über den Luxus, sich über Weihnachts-Shopping ärgern zu können
12/04/2015

(Un)Geduldsprobe

von Katharina Zach

Zwischen halb leeren Regalen, Schnäppchenjägern und verwaisten Wursttheken traf mich eine Erkenntnis

Mag. (FH) Katharina Zach | über den Luxus, sich über Weihnachts-Shopping ärgern zu können

Ich habe einen Charakterfehler, der meine Mitmenschen in schöner Regelmäßigkeit in den Wahnsinn treibt: Ich bin ein ungeduldiger Menschen. Also, so richtig. Immer schon. Als ich als Kind das Schuhebinden beim ersten Selbstversuch nicht hinbekam, pfefferte ich die Dinger in einem Wutanfall in die Ecke und bestand darauf barfuß zu gehen.

Heute habe ich mich glücklicherweise besser im Griff. Meistens. Denn die Vorweihnachtszeit stellt hohe Anforderungen an mein mitunter gebeuteltes Nervenkostüm.

Mir schnappt etwa jemand den letzten Parkplatz weg? Warum ist der Vollidiot vor mir nicht schneller gefahren!

Im Supermarkt legt die Kundin vor mir mit einer bewundernswerten Entspanntheit Stück für Stück ihrer Einkäufe ins Wagerl ehe sie in Ruhe zahlt? Gerne würde ich da mit einer ausholenden Wischbewegung nachhelfen!

Die Menschen bummeln zu langsam durch die Einkaufsstraße? Haben wohl nichts zu tun! (Ja, meine Ungeduld befeuert durchaus auch meine Irrationalität.)

Kürzlich wurde ich aber unsanft aus meiner fast schon gepflegten vorweihnachtlichen Shopping-Ungeduld gerissen. Ich war nämlich im Zielpunkt einkaufen. Im Geschäft: Grabesstimmung, genährt durch eine niederschmetternde Mischung aus Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Resignation. Und dort, zwischen halb leeren Regalen, Zehn-Prozent-Nachlass-Schnäppchenjägern und verwaisten Wursttheken traf mich ein Erkenntnis. Es ist nicht wichtig, ob ich zehn Minuten länger Parkplatz suche, an der Kassa warten muss oder kurzfristig hinter langsamen Mitmenschen hertrotte. Denn im Gegensatz zu vielen Zielpunkt Mitarbeitern kann ich mir heuer den Luxus leisten, mich über Weihnachtseinkäufe zu ärgern.

Von Zeit zu Zeit ist es notwendig, zurückzutreten und einen kritischen Blick auf sich selbst zu werfen. Vieles wird – in den richtigen Rahmen gesetzt – schlicht unwichtig. Ich hoffe, meine Erkenntnis kann es im Härtefall mit meiner Hektik aufnehmen. Am Wochenende steht nämlich eine Geduldsprobe an. Oder, wie andere sagen: "ein Besuch in der SCS".

eMail: katharina.zach@kurier.at

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