über die Konsequenzen eines vergessenen Parktickets
10/16/2015

Plötzlich Häftling

von Katharina Zach

35 Euro betrug meine Strafe, 53 Stunden sollte ich dafür einsitzen

Mag. (FH) Katharina Zach | über die Konsequenzen eines vergessenen Parktickets

Kürzlich erhielt ich spannende Post. Genauer gesagt, eine "Aufforderung zum Antritt der Ersatzfreiheitsstrafe". Offensichtlich hatte ich ein Parkticket verbummelt. 35 Euro betrug meine Geldstrafe, 53 (!!!) Stunden sollte ich dafür im Polizeianhaltezentrum Wien einsitzen.

Nach meinem anfänglichen Schock – Bilder von orangen Overalls und Häftlingen, die mit Blechtassen rhythmisch an Gitterstäbe klopfen, vor dem inneren Auge – las ich weiter: "Da Grund zu der Annahme besteht, dass die Geldstrafe uneinbringlich ist, muss nunmehr die Ersatzfreiheitsstrafe vollstreckt werden", stand da. Doch – Gott sei Dank – wenn ich jetzt die 35 Euro samt fünf Euro Mahngebühr zahle, könne ich das Unheil abwenden. Der Hinweis auf der zweiten Seite: "Das Polizeianhaltezentrum Wien wird um Vollstreckung der Ersatzfreiheitsstrafe ersucht".

So tief der erste Schreck saß, so groß wurde dann der Ärger. Auf eine Behörde, die den Bürgern offenbar bei geringsten Vergehen mit zwei Tagen und fünf Stunden Gefängnisstrafe droht. Und dabei die geltende Gesetzeslage sehr locker auslegt. Denn Aussuchen, ob Häf’n oder Marie, das geht hierzulande nicht. Die Behörde muss erst versuchen, die Geldstrafe zwangsweise einzutreiben, bevor sie zum Äußersten greift. Dazu zählt auch eine Gehaltsexekution. Bloß, ich kann mich an keine solche erinnern. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Behörde finanziell fündig geworden wäre. Auch Mahnungen habe ich keine erhalten – auch wenn die Behörde meint, sie habe sie verschickt. Ein Freund berichtet, ihm sei Ähnliches passiert. Drohungen als neues Kundenservice. Ein Sachbearbeiter erklärte mir, so müsse ich wenigsten keine Gerichtskosten zahlen. Stimmt, dafür gab’s eine schlaflose Nacht.

Ein Anwalt riet mir, trotz sofortiger Überweisung, persönlich bei der Behörde zu erscheinen "damit nichts passieren kann". Dem Rat folge ich lieber – und setze ebenfalls auf Einschüchterung. Und falls ich doch in Haft gehe: Die Kollegen haben schon zum Sammeln begonnen.

eMail: katharina.zach@kurier.at

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