Meinung | Kolumnen | Auf den Punkt gebracht
03.07.2017

Die Hofpartie

Aus der Hofpartie wurden Facility-Manager

Mag. (FH) Johannes Weichhart | Der beste Sommerjob

Ich bin mir nicht sicher, ob es den besten aller Sommerjobs noch gibt. Als ich mich im Internet vor ein paar Tagen auf die Suche gemacht habe, fand ich ihn jedenfalls nicht mehr. Falls Ihnen bzw. Ihren Kindern das weiterhilft: Gesucht werden für die kommenden zwei Monate vor allem Buffet-Allroundkräfte, Rasenpfleger und zwei Personen zur Betreuung der Lehmbaustelle im Museumsdorf Niedersulz.

Vor mehr als 20 Jahren konnte man noch im St. Pöltener Krankenhaus mitarbeiten. Durch eine glückliche Fügung und vor allem einen ordentlichen Schuss Vitamin B wurde ich ein Mitglied der Hofpartie. Wir waren Mädchen für alles, wurden gerufen, wenn eine starke Hand gebraucht wurde, ansonsten lautete der teameigene Auftrag, möglichst nicht viel aufzufallen.

Zum ersten Mal gejausnet wurde um sieben Uhr, und wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, hörte man zu diesem Zeitpunkt schon den einen oder anderen Kronkorken zischen.

Dann traf sich die Hofpartie zur "Morgenbesprechung" in einer Holzhütte. In der Mitte stand ein riesiger Aschenbecher – es wurde damals wahnsinnig viel geraucht –, rundherum stapelten sich Sex-Heftln bis an die Decke. Dann rückten wir aus, kehrten den Hof oder leerten die Mistkübel aus. Einmal war unsere Hilfe gefragt, weil ein Lift nicht mehr funktionierte. Deshalb mussten wir unter anderem frisch operierte Patienten in ihren mörderisch schweren Krankenbetten ein Stockwerk weit hinauftragen. Vielleicht war es eine lebensgefährliche Aktion, aber man lernte dabei im wahrsten Sinn Verantwortung zu tragen.

Ich nehme an, dass alle aus der Hofpartie mittlerweile Facility-Manager geworden sind, obwohl sie noch immer dieselbe Arbeit erledigen. Hört sich halt irgendwie moderner an.

Zum Abschied ist mir jedenfalls noch der eine Satz eines damaligen Kollegen im Ohr geblieben: "Du derfst di ruhig amoi mödn, ah waunst a Gstudierter bist."

Habe ich doch gern gemacht. Grüße!

eMail: johannes.weichhart@kurier.at