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05.03.2013

Ohne Druckausgleich

Nimmt Jammern über formschwaches Stammpersonal den Druck vom Nationalteam?

Doch auch angesichts formschwachen Stammpersonals verzichtet Koller auf experimentalen Populismus

Günther Pavlovics | über das Nationalteam

Marcel Koller ist angetreten, um ein Nationalteam zu gestalten, das eine unverkennbare Spielphilosophie verkörpert und Erfolg hat. Dafür hat er einem Stamm an Spielern vertraut, die ihre Gagen außerhalb Österreichs erhalten. Aber: Eine kleine Verletzung, ein leichtes Formtief – und schon ist der Legionär nur noch zweite Wahl. Das kann auch etablierten Kickern wie Teamkapitän Fuchs und seinem Stellvertreter Janko passieren.

Würde man sich jetzt aufs Jammern verlegen, würde man vielleicht den Druck auf die Spieler etwas nehmen. Nicht aber jenen auf den Teamchef, denn die Erwartungshaltung beim österreichischen Fußball-Nationalteam war und ist seit eh und je hoch bis unrealistisch. Die Qualifikation für ein Großereignis ist seit 1997 ohnehin nur eine Frage der Zeit.

Doch auch angesichts formschwachen Stammpersonals verzichtet Koller auf experimentalen Populismus. Zwei Mal mit dem Hintern in der Bundesliga wackeln wird nicht für einen Kaderplatz genügen. Koller setzt auf Kontinuität, Vertrauen und Spieler, die schon einmal beim Team waren.

Das bietet zumindest die Möglichkeit, dass der listige Hosiner gegen die Färöer auf Torjagd geht oder dass der robuste Bürger auf irische Verteidiger losrennt. Egal, wer spielt: Jammern erzeugt keinen Druckausgleich.