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19.08.2017

Landesfürstliches

Der Sportchef ist angezählt, Fachgremium ist keines in Sicht.

Günther Pavlovics | über die Probleme des ÖFB

Das Comeback der Landesfürsten im ÖFB ist beachtlich. Nach einer Teamchef-Bestellung im Abseits sind die neun Präsidenten der Landesfußballverbände wieder am Ball. Sie haben es geschafft, ihren Einfluss zu stärken und alte Strukturen aufleben zu lassen. Dabei haben ihnen die neuen Strukturen in der administrativen ÖFB-Führung genutzt, es gibt dort einen Sport- und einen Wirtschaftschef – und nicht mehr einen allmächtigen Generaldirektor.

Der pensionierte Alfred Ludwig war in den alten Strukturen ein genialer Strippenzieher, er spielte mit den Landesfürsten und trickste sie teilweise auch aus. Offensichtlich wollen sich einige nicht damit begnügen, als Aufsichtsrat zu fungieren. Aber anstatt ÖFB-Boss Windtner zu sagen, dass er mit Koller gehen soll und Sportchef Ruttensteiner gleich mitnehmen könne, hat man sich für mehr Mitsprache entschieden.

Diesen Preis zahlte Windtner für seine dritte Wahl zum ÖFB-Boss. Er war der einzige Kandidat, aber Anfang Mai wollten ihn nur drei von zehn Mitgliedern des Wahlausschusses (die neun Landeschefs plus Bundesliga-Boss Rinner) auf dem Wahlvorschlag sehen. Organisatorische und strukturelle Dinge seien noch zu klären, hieß es damals. Windtner machte Zugeständnisse, wurde wiedergewählt – und steht jetzt vor einem Desaster.

Wer sucht den Teamchef? Der Sportchef ist angezählt, Fachgremium ist keines in Sicht. Und wie eine Trainersuche von Funktionären enden kann, davon kann die Rapid-Führung ein teures Lied singen.