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04.12.2017

Stilfragen

Auch wenn er jetzt geht, kann er sich in den Spiegel schauen.

Günther Pavlovics | über Peter Stöger

Skandal in Österreich. Morddrohungen gegen zwei Schiedsrichter." "Kölner Trainer-Chaos. Stöger gefeuert!" Dazu noch das ramponierte Gesicht des schwer gestürzten Skispringers Diethart. Und Niki Lauda ("Sein neues Formel-1-Leben ohne RTL"). Die deutsche Boulevard-Zeitung Bild setzte am Sonntag im Internet auf Rot-Weiß-Rot.

Das Wort "skandalös" kam aber nur einmal vor. So wurde die Reaktion eines Rapid-Funktionärs auf die Morddrohungen bezeichnet. "Als Versuch, aus vielen Dingen Klicks zu generieren", sagte der zu den massiven Drohungen. Die Schuld bei sich selbst suchen – das geht nicht. Fallen von Regeln gedeckte Entscheidungen für Rapid aus, wird geschwiegen. Bevorteilen von Regeln gedeckte Entscheidungen Rapid nicht, dann wird Skandal geschrien, werden Referees verunglimpft. Wen wundert es da, dass vertrottelte Mail-Schreiber im Fahrwasser schwimmen?

Dagegen ist das Auftreten von Peter Stöger, seine nüchterne, ehrliche Art, eine Wohltat. Zumal er sich beim Kölner Kultklub in einem ähnlichen Tollhaus bewegt wie es Rapid manchmal ist. Aber Stöger blieb immer bei sich. Er machte den Fans nichts vor, erklärte, dass es seine Zeit dauern werde, bis Köln wieder eine große Nummer sein werde. Brachte den Klub so aus der zweiten Liga in die Europa League.

Auch wenn er jetzt geht, kann er sich in den Spiegel schauen. Und wird sich über seine Zukunft keine Sorgen machen müssen.