© APA - Austria Presse Agentur

Leitartikel
02/08/2021

Bundesregierung und Tirol: Jetzt liegen die Nerven blank

Wenn die klare Kommunikation fehlt, bleibt Platz, um an der Eskalationsschraube zu drehen. In Sachen Tirol ist das der Fall

von Martin Gebhart

Dass das Verhältnis zwischen der Bundesregierung und Tirol wegen des ständigen Damoklesschwerts einer Isolierung des gesamten Bundeslandes angespannt ist, verwundert niemanden. Was da aber am Wochenende vom Präsidenten der Tiroler Wirtschaftskammer, Christoph Walser, zu hören war, ließ viele staunend erstarren. „Wenn nur ansatzweise irgendetwas aus dem Gesundheitsministerium kommen sollte, dann werden sie uns am Montag richtig kennenlernen“, fauchte er ins ORF-Mikrofon. Eine Kampfansage, die in dieser Deutlichkeit zuvor nicht zu hören gewesen war.

Eines macht der Wutausbruch deutlich: Das Nervenkostüm ist im Heiligen Land derzeit sehr, sehr dünn. Die ständigen Konflikte und Schuldzuweisungen haben dort eine Art Bunkermentalität zur Folge. Walser wurde in Innsbruck danach nicht zu einer sachlicheren Wortwahl aufgerufen, vielmehr versammelten sich alle ÖVP-Nationalratsabgeordneten des Bundeslandes mit Fingerzeig in Richtung Wien hinter ihm.

Jetzt sind in Tirol seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie beginnend mit Ischgl viele Dinge passiert, die im restlichen Österreich zurecht für Ärger gesorgt haben. Dennoch ist es nicht fair, wie das Land derzeit behandelt wird. Wegen der Südafrika-Mutation des Virus will man diese Region gesamt unter Quarantäne stecken. An welchen Kriterien das festgemacht werden soll, liegt nicht auf dem Tisch.

In der Konferenz der Spitze der Regierung mit den Landeshauptleuten vor wenigen Tagen war vereinbart worden, dass bei einer 7-Tages-Inzidenz von 250 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner über die Isolation eines Bundeslandes entschieden werden kann. Das wurde nicht wirklich offensiv kommuniziert, denn davon ist Tirol derzeit weit entfernt. Da müsste sich das Gesundheitsministerium schon eher mit Salzburg beschäftigen. Dass die Südafrika-Mutation in Tirol stärker auftritt, ist ebenfalls noch kein wirklich stichhaltiges Argument. 165 Fälle wurden bis zum Wochenende herausgefiltert, aber nur acht Personen sind aktiv positiv. Weitere Tests sind im Laufen. Und aus den meisten anderen Bundesländern gibt es dazu noch keine so genauen Daten wie aus Tirol. Dass in Innsbruck Stimmen laut werden, die hinter dem Ganzen einen Willkürakt vermuten, ist da nicht ganz von der Hand zu weisen.

Diese Eskalation hätte vermieden werden können, wenn von Anfang an klare Kriterien kommuniziert worden wären, die die Isolation einer ganzen Region notwendig machen. Darüber erst einen Tag vor den allgemeinen Öffnungsschritten mit den Tirolern zu verhandeln, war keine erfolgversprechende Vorgangsweise. Ein Lieblingswort von Minister Rudolf Anschober ist Transparenz. Seine Ressortmitarbeiter sollten sich das mehr zu Herzen nehmen.

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