Meinung
18.08.2017

Impfung für die Urlaubsliebe

Ab Tag vier drehte sich alles nur noch um Impfungen und Transportpapiere.

Ab Tag vier drehte sich alles nur noch um Impfungen und Transportpapiere.

Mag. Simone Hoepke | über die Urlaubsliebe

Es gibt Menschen für die das Wort Urlaub wie eine gefährliche Drohung klingt. Einer heißt Michele.

Er fährt "ganz sicher nie mehr auf Urlaub", sagt er. Der letzte habe ihm gereicht. Eine Woche mit Eltern, Schwester und Schwager in einem Bungalow auf einer griechischen Insel. "Den ganzen ist es Tag so heiß, dass du nicht raus kannst. Und am Abend kommen die Gelsen und fressen dich auf, sobald du einen Fuß vor die Tür setzt."

Dazu kam die Urlaubsliebe der Schwester. Gleich am ersten Abend schlich sie sich durch die Terrassentür in den Bungalow.

Ein Kater. Der Anführer einen dreiköpfigen Katzen-Bande.

Ab Tag zwei wurde im abgedunkelten Bungalow nicht mehr gestritten, ob das Trio gefüttert wird oder nicht. Es wurde längst debattiert, ob die Drei mit nach Österreich fliegen sollen.

Am Tag drei wurde Michele mit großer Mehrheit im Familienrat überstimmt.

Ab Tag vier drehte sich alles nur noch um Impfungen und Transportpapiere.

Am Morgen der Abreise stand alles bereit. Mit einer Ausnahme. Dem Kater. Der war spurlos verschwunden. "Es gibt auf der Insel nicht einen Busch, in dem ich ihn nicht gesucht hätte", behauptet die Schwester.

Das war keine Krise, das war eine Katastrophe.

So hat die Familie entschieden, den Schwager auf der Insel zurückzulassen. Irgendwer musste ja den Kater suchen.

Er konnte schnell mit einer Erfolgsmeldung glänzen. Als er vom Flughafen zurückkam, saß der Kater verschlafen in der Einfahrt vom Bungalow. Die beiden haben eine Verlängerungswoche auf der Insel verbracht. Früher gab es keinen Flug nach Wien.

Jetzt sind alle glücklich vereint in Österreich. Der Kater hat sich gut eingelebt und baut sein Territorium zügig aus. Das zeigt das GPS-Tracking des Halsbandes, das er jetzt trägt. Der Kater ist auf Zick-Zack-Kurs in der ganzen Ortschaft unterwegs. Streunender Straßenkater bleibt streunender Straßenkater, sagt Michele und verdreht theatralisch die Augen. Er tippt auf sein Handy. Als Startbild erscheint der Kater.