Meinung
04.03.2015

Im Dunstkreis der Muslimbruderschaft?

. © Bild: APA/HANS KLAUS TECHT

Es sollte dringend überprüft werden, ob hier künftige Religionslehrer im Dunstkreis der Muslimbruderschaft ausgebildet werden

Heiko Heinisch | über die Ausbildung muslimer Religionslehrer

1998 gründete die Islamische Glaubensgemeinschaft ( IGGiÖ) in Wien die private Religionspädagogische Akademie (IRPA). Das dort angebotene staatlich anerkannte Bachelor-Studium trägt den Namen Privater Studiengang für das Lehramt für Islamische Religion an Pflichtschulen und wird derzeit von knapp 300 Studierenden besucht. Der Abschluss an der IRPA berechtigt dazu, islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Pflichtschulen zu halten. Die Religionslehrerinnen und -lehrer werden von der IGGiÖ ausgewählt. Die IRPA befindet sich auf dem Gelände der Gemeinnützigen Privatstiftung Anas Schakfeh im 23. Bezirk in Wien, deren Namensgeber, der ehemalige Vorsitzende der IGGiÖ, wiederholt in den Verdacht geriet, der Muslimbruderschaft nahezustehen. Auch die Muslimische Jugend Österreich (MJÖ), der, wie KURIER und profil jüngst berichteten, ebenfalls eine gewissen Nähe zur Muslimbruderschaft unterstellt wird, hat ihren Sitz in den Gebäuden der Anas Schakfeh Stiftung.

Islamische Netzwerke

Die Direktorin der IRPA, Amena Shakir, scheint in die islamistischen Netzwerke der Muslimbruderschaft in Europa verstrickt zu sein. Nicht wegen ihres Bruders Ibrahim El Zayat, einer Schlüsselfigur der Muslimbruderschaft in Europa und Gründer einer europaweiten Jugendorganisation derselben, des Forum of European Muslim Youth and Student Organizations (FEMYSO), sondern wegen ihrer eigenen Tätigkeit für den ägyptischen Arm der Muslimbruderschaft. Sie leitete bis 2002, noch unter dem Namen Amena El Zayat, die Deutsch-Islamische Schule in München, eine Grundschule für Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren. Als Trägerverein dieser Schule firmierte das Deutsch-Islamische Bildungswerk (DIBW), dem der Bayrische Verfassungsschutz attestierte, eine Tarnorganisation der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD) zu sein, die wiederum als deutsche Zentrale der ägyptischen Muslimbruderschaft gilt. Im Jahr 2005 untersagte die zuständige Regierung den Weiterbetrieb der Schule, weil „die Verfassungstreue des Schulträgers nicht mehr als gegeben angesehen werden“ könne. Sie wurde geschlossen. Amena Shakir ist nicht die erste Leiterin der Wiener IRPA, die in die Kritik gerät. Ihr Vorgänger Elsayed Mohammad Elshahed erklärte einst öffentlich, dass er die säkulare Gesellschaft und die Trennung von Staat und Religion für einen Fehler halte. Für die Ausbildung islamischer Religionslehrer für öffentliche Schulen in Österreich ist also eine Frau zuständig, die in Deutschland eine Schule geleitet hat, die wegen ihrer Nähe zu einer islamistischen Organisation geschlossen wurde. Dass ehemalige Schlüsselfiguren der MJÖ wie Amani Abuzahra und Farid Hafez, der die Muslimbruderschaft im Juni 2013 im Standard als demokratische Kraft präsentierte, an der IRPA lehren, rundet das Gesamtbild ab. Die MJÖ selbst gehörte bis 2005 ebenfalls dem der Muslimbruderschaft zugerechneten FEMYSO an.

In Anbetracht der Tatsache, dass Teile der ägyptischen Muslimbruderschaft jüngst – wie schon so oft in ihrer Geschichte – den Weg in den Terrorismus eingeschlagen haben und nun offen zum Mord an Staatspräsident al-Sisi und an unliebsamen Journalisten aufrufen, sollte dringend überprüft werden, ob hier künftige Religionslehrer und -lehrerinnen im Dunstkreis der Muslimbruderschaft ausgebildet werden. Mouhanad Khorchide, der inzwischen im deutschen Münster ein modernes Lehramtsstudium für Islamunterricht aufgebaut hat, wurde 2010 wegen seiner kritischen Dissertation zum islamischen Religionsunterricht von der IGGiÖ mehr oder weniger aus Wien vertrieben. Auch das eine traurige Geschichte.