Höchste Eisenbahn

© Tamara Gmaschich

über vergessene Bahnstrecken
12/14/2015

Höchste Eisenbahn

von Herbert Vytiska

Es gibt Regionen gibt, die die Bahn krass benachteiligt.

Mag. Herbert Vytiska | über vergessene Bahnstrecken

Der Vollbetrieb des neuen Wiener Hauptbahnhofs wird fast wie ein kleines Weltwunder gefeiert. Was dabei allerdings untergeht ist, dass es eine Reihe von Regionen gibt, die die Bahn krass benachteiligt. Und es sind vor allem Regionen, die von Abwanderung gekennzeichnet sind, dringend auf Wirtschafts-, auch Verkehrsimpulse angewiesen wären.

Paradebeispiel dafür ist das Waldviertel, das schon seit Jahren die schlechte Anbindung nach Wien beklagt. Die Züge aus Gmünd, Horn und Krems landen nämlich nicht am Hauptbahnhof sondern in der Vorstadt. Genauer gesagt am Franz-Josefs-Bahnhof, der gerade einmal mit der Straßenbahn erreichbar ist.

Von Gmünd nach Wien sind es 160, von Wien nach Salzburg doppelt so viele Kilometer, nämlich 320. Mit dem schnellsten Zug fährt man jetzt von der Donau bis an die Salzach zwei Stunden und 20 Minuten. So lange braucht auch der schnellste Zug (Halt in jedem Bahnhof) vom obersten Waldviertel in die Bundeshauptstadt. Wer aber noch weiter an die Mozartstadt will, darf die Fahrtzeiten addieren, sogar noch etwas draufschlagen und sich zudem auf ein mehrmaliges Umsteigen freuen.

Krems war einmal sogar als niederösterreichische Landeshauptstadt im Gespräch. Jetzt ist es an eine Nebenlinie angebunden, die auch beim Julius-Tandler-Platz endet. Dabei könnte man die Wachau und das Waldviertel mit nur ein wenig gutem Willen direkt an das neue Verkehrsdrehkreuz im Osten Österreichs anbinden. Die Gleise von Tulln zur Schnellstrecke nach Wien existieren nämlich bereits.Noch zwei weitere Beispiele, die zeigen, dass die Benachteiligung von Regionen durch die Bahn kein Einzelfall ist, sondern man könnte meinen, dass dahinter sogar System steckt.Die Region an der Enns entlang der sogenannten "Eisenstraße" hat seit Jahren mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Und ist für viele Menschen, die auf Arbeit angewiesen sind, nicht mehr attraktiv. Durch das Gesäuse führt eine Bahnstrecke, diese wird aber nur mehr am Wochenende und zwar von einem Ausflüglerzug befahren. Für Städte wie Eisenerz, Hieflau und Admont heißt es bloß, kein Anschluss unter diesem Fahrplan.

Guter Wille

Auch das Kärntner Lavanttal gehört nicht zu den wirtschaftlich prosperierendsten Gebieten und würde eine Verbindung in die Obersteiermark, nach Wien, nach Linz gut gebrauchen können. Wer etwa von Wien in die Bezirksstadt Wolfsberg mit der Bahn reisen will, schafft es gerade bis Zeltweg. Von dort könnte er allenfalls auf den Gleisen mit einem Schienenfahrrad ins Kärntnerland strampeln.

Es wäre höchste Eisenbahn, würde man sich bei den ÖBB nicht nur um den "Main-Stream" kümmern, sondern auch der Regionen annehmen, die etwas abseits davon liegen. Und auch die Landespolitik wäre gefordert, gehörig auf den Tisch zu klopfen. In allen den Fällen könnte man allein mit gutem Willen, ohne in neue Gleise zu investieren, die Qualität des Reisens auch in etwas abgelegene Regionen verbessern.

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