über den Teufelskreis der Bad News
12/28/2014

Gute Nachrichten, die nicht langweilen

Viele Menschen 2014 tragen keinen prominenten Namen. Die Heroen des Alltags gehören öfter vor den Vorhang.

von Josef Votzi

Gute Nachrichten gehören vor den Vorhang – und das nicht nur ein Mal im Jahr.

Josef Votzi | über den Teufelskreis der Bad News

Die Frage ist so alt wie die Zeitung, wird aber bis heute immer wieder neu und mit Nachdruck gestellt: Warum bringt ihr Journalisten immer nur, was es in der Welt Schlechtes gibt? Warum gibt es nicht mehr gute Nachrichten? Auch wenn es manche nicht glauben wollen: Gut gemachte Zeitungen stellen sich diese Frage beinahe tagtäglich. Die einen messen so dem jüngsten Bild aus dem englischen Königshaus mit Nahaufnahmen des knuddeligen "Baby George" mehr Gewicht zu, als dem Ereignis nüchtern betrachtet zukommen würde. Die anderen setzen bewusst auf die positive Kraft von mehr Erfolgsstorys.

Ein gut gemeintes Experiment, das in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt versucht wurde, ging immer glänzend schief: Eine Zeitung, in der ausschließlich gute Nachrichten Platz finden. Diese liegt bald wie Blei am Kiosk und lässt ihre Fans zunehmend auf den kleinen harten Kern ihrer Macher und Nutznießer schmelzen – wie alles, das seine Wurzeln in einer lebensfremden Ideologie statt im realen Leben hat. Die Botschaft " alles in Ordnung" kann auf Dauer niemand glauben. Sie will daher auf Dauer auch niemand hören.

Wer Mittelmaß sät, erntet Kleingeist

Aber geht nicht etwas mehr an guten Nachrichten? Erliegen Medien nicht doch zu sehr dem Teufelskreis der Bad News? Vermutlich ja, denn auch das Nachrichten-Geschäft wird im 24-Stunden-Betrieb des Internets immer schneller und oberflächlicher.

Nicht nur rund um den Jahreswechsel ist es für Qualitätsmedien so mehr denn je geboten, einen Schritt zurückzutreten, innezuhalten und in die Tiefe zu gehen. Der KURIER widmet diese Ausgabe zum Start seiner Jahresrückblick-Serie daher vornehmlich den "Helden und Hoffnungsträgern" des auslaufenden Jahres 2014.

Was auffällt: Viele herausragende Menschen 2014 tragen keine klingenden Namen. Sie sind Heroen des Alltags. Das US-Blatt Time, Vorbild und Mutter aller Nachrichtenmagazine, kürt seit Jahrzehnten einen prominenten Kopf zur Persönlichkeit des Jahres. Diesmal hat sich die Redaktion für Jerry Brown, den bis dahin unbekannten Leiter einer Ebola-Klinik in Liberia, entschieden. Die Helden von heute, sind auch hierzulande Menschen, die couragiert gegen den Strom der ängstlich Angepassten schwimmen; die nicht der Schwerkraft der Trägheit erliegen; und die wissen, wer Mittelmaß sät, wird Kleingeist ernten.

Das sind zum Beispiel zwei Bürgermeister, die trotz Gegenwinds Quartiere für Kriegsflüchtlinge bereitstellen. Ein Nachbar, der nicht wegschaut, wenn vor seinem Fenster einem Kind Gewalt angetan wird. Und Mutmenschen, die ihre Privathäuser für Asylwerber öffnen oder freiwillig für Wochen als Rot-Kreuz-Helfer gegen die Ebola-Epidemie nach Westafrika gehen.

Gute Nachrichten wie diese gehören vor den Vorhang – und das nicht nur ein Mal im Jahr.

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