Meinung
06.11.2017

Geschwätz von vorgestern

Keine 48 Stunden später war’s um die Lernfähigkeit des älteren Mächtigen schon wieder geschehen.

Klaus Knittelfelder | über Peter Pilz

Peter Pilz vollzog am Samstag ein kleines Kommunikations-Kunststück: Er, der Ex-Grüne im dringenden Unhold-Verdacht, schaffte es, für seine Rücktritts-Erklärungen teilweise mit anerkennendem Applaus gewürdigt zu werden. Und das wohl nicht ganz zu Unrecht: Pilz sprach in seiner Abtritts-Pressekonferenz von seinen eigenen Moralansprüchen, denen er – obwohl er sich nicht daran erinnern kann, jemanden tatsächlich sexuell belästigt zu haben – gerecht werden wolle. Er sprach davon, stellvertretend für alle "älteren, mächtigen Männer" in Form eines Mandatsverzichts ein Zeichen der Lernfähigkeit setzen zu wollen. Es gehe in Fragen sexueller Belästigung schließlich nicht darum, wie etwas gemeint ist, sondern wie es ankommt.

Allein, keine 48 Stunden später war’s um die Lernfähigkeit des älteren Mächtigen schon wieder geschehen. In einem Wendemanöver, das jedem Kunstturner Respekt abringen würde, ortete Pilz eine Verschwörung gegen sich – sein Mandat wolle er vielleicht doch annehmen, sagte er zwischenzeitlich. So unklar der Fall bisher noch ist, eines hat der Aufdecker mit seiner situationselastischen Argumentation belegt: Auch er, der langjährige Saubermann, wurde letzthin unglaubwürdig.