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Leitartikel
05/09/2021

"Generation Corona": Alles nicht so schlimm?

Die „verlorene Generation Corona“ wird es nicht geben. Das ist Grund für Optimismus. Zurücklehnen dürfen wir uns aber nicht.

von Bernhard Gaul

Es sind gute Nachrichten, über die wir zum Start in die neue Woche berichten können. Eine Analyse des Linzer Bildungsforschers Christoph Helm zeigt, dass die Bildungsverluste unserer Kinder durch die Pandemie weit weniger schlimm sein dürften als befürchtet (und medial transportiert). Die „verlorene Generation Corona“ mit drastischen Auswirkungen auf das weitere (berufliche) Leben dürfte es gar nicht geben. Das Bildungssystem habe sich als widerstandsfähiger als gedacht erwiesen, noch mehr die Schüler, Lehrer und Eltern. Das ist Grund für Optimismus.

Also alles nicht so schlimm, alles gut?

In Zeiten, in denen man positive Nachrichten in den Medien oft mit der Lupe finden muss, lässt das zumindest aufatmen. Der Dank gilt an erster Stelle den 1,1 Millionen Schülerinnen und Schülern. Während manch ein Erwachsener über die lange Phase des Daheimbleibens vielleicht gar nicht einmal so unglücklich war, müssen die zahlreichen Lockdowns für Jugendliche in der Pubertät nur schwer ertragbar gewesen sein. Der Wechsel vom Klassenzimmer ins Kinderzimmer mit stundenlangem Verharren vor dem Computer ist für Schüler sicher oft eine Qual gewesen.

Dazu die oft beengte Situation daheim, ohne Möglichkeit, mit Freunden das Hirn regelmäßig auslüften zu können. Dank auch den Lehrern, die aufgrund des völlig überholten Lehrplans und der extrem mangelnden digitalen Ausbildung dennoch versuchten, das Beste aus der Situation zu machen. Und nicht zuletzt ein großer Dank den Eltern, wohl vor allem den Müttern, die notgedrungen alles zusammenhalten und am eigenen Leib erfahren mussten, wie schwierig der Job des Pädagogen ist.

Natürlich ist deshalb nicht „alles gut“. Noch stecken wir mitten in der Pandemie, auch wenn die Situation täglich besser wird. Das Aufräumen danach wird viele Jahre dauern. Immerhin haben wir gelernt, dass wir nicht nur unser Bildungs- und Wirtschaftssystem widerstandsfähiger machen müssen. Leider wird das nicht die letzte Krise gewesen sein, vor der Türe stehen immer neue Viren, neue Naturkatastrophen bis hin zum Klimakollaps.

Widerstandsfähiger müssen wir aber auch als Gesellschaft werden. Da haben wir große Defizite, angefangen vom Schutz vor Gewalt in der Familie, was uns in den vergangenen Wochen schmerzhaft bewusst wurde, bis hin zur Frage der psychischen Gesundheit. Psychische Probleme haben unser Gesundheitssystem und unsere Gesellschaft nie wirklich ernst genommen. Nur bei der Psychotherapie gibt es ein begrenztes Gesundheitsbudget. Wenn das ausgeschöpft ist, bleiben die Menschen mit ihren Problemen alleine. Kein Mensch könnte sich vorstellen, dass es Ähnliches bei Herz-Kreislaufproblemen oder Krebstherapien gibt.

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