Unis im Sparzwang: Zeit für eine Hochschulreform!
Die Diskussion um notwendige Einsparungen im Universitätsbereich hat eine unerwartete Entwicklung und Dynamik genommen. Nach ersten massiven Gegenreaktionen und einem breiten politischen Schulterschluss gegen jede Form von Kürzung ist rasch wieder eine Kehrtwende eingetreten. Der diesbezügliche Sparbedarf ist in den breiteren Kontext der Budgetkonsolidierung eingeordnet worden, die überproportionalen Erhöhungen für den Wissenschaftsbereich wurden gegengerechnet und plötzlich auch der Reformbedarf im Universitätsbereich thematisiert. Tatsächlich kann dieser kaum in Abrede gestellt werden. Das als „Jahrhundertgesetz“ gepriesene Universitätsgesetz 2002 (nunmehr UG) ist zwar immer wieder Gegenstand einer epistemischen Zelebration, eine umfassende Diskussion all der Schwachstellen in diesem Gesetz ist hingegen bisher, soweit ersichtlich, nicht erfolgt.
Peter Hilpold.
Die Beschäftigungsverhältnisse des wissenschaftlichen Nachwuchses sind vielfach desolat. Gleichzeitig wurde nun auch breiter bekannt, dass der Forschungsrat schon vor dieser Diskussion auf Strukturdefizite im österreichischen Universitätssystem hingewiesen hat. Nachfolgend sollen zentrale Ansatzpunkte für dringend notwendige Reformen hervorgehoben werden:
Leistungswettbewerb statt Hierarchie: Die österreichischen Universitäten sind nach wie vor sehr hierarchisch strukturiert. Dabei ist Leistung für die Erlangung der begehrten Professorenpositionen nicht immer maßgeblich. Zu deren Wahrung noch weniger. Berufungsverfahren können in wahre Schiebungen ausarten, bei denen alle der – wenigen – Regeln des UG verletzt werden. Sogar Personen, die gegen die gute wissenschaftliche Praxis verstoßen haben, aber politiknahe sind, werden berufen. Einzig in der ganzen EU bietet die österreichische Gesetzgebung den anderen übergangenen Kandidaten dagegen keine rechtliche Handhabe. Die vom UG vorgesehene fünfjähre Evaluierung wird rasch zur Formübung; völlige Untätigkeit und Unsichtbarkeit im Wissenschaftsbereich haben kaum Konsequenzen. Dagegen muss sich in Acht nehmen, wer Leistung einfordert, bis hin zu den Rektor:innen.
Funktionsbeschränkungen statt versteinerter Machtstrukturen: Aus internationaler Perspektive mutet die Amtsdauer von universitären Funktionsträgern an österreichischen Universitäten geradezu absurd an. Zum Teil gibt es überhaupt keine Funktionsbeschränkungen, zum Teil greifen sie nicht. Mit einer gewissen Vernetzungskompetenz gelingt es damit Einzelnen, Machtstrukturen aufzubauen, denen nicht mehr beizukommen ist und denen sich letztlich sogar Rektor:innen beugen müssen, wollen sie (wieder)gewählt werden. Abhilfe könnte hier bspw. die Einschränkung der Senatszuständigkeit auf Lehrplanung bieten, während die Rektoren von einer Universitätsversammlung gewählt werden sollten. Alternativ könnte auf diesem Wege zumindest ein Dreiervorschlag erstellt werden, wenn der Universitätsrat weiterhin die Letztentscheidung treffen soll (wofür auch einiges sprechen kann).
Reale Karrierechancen für Jungwissenschaftler statt Befristung: Jungwissenschaftler:innen eine reale Karrierechance zu bieten, stellt die zentrale Herausforderung für die Universitäten dar. Die Stellen sind begrenzt und umso mehr sollten diese auf der Grundlage echten Leistungswettbewerbs vergeben und gegebenenfalls nachfolgend entfristet werden. Nicht der Glückstreffer der Laufbahnstelle, zuweilen vergeben auf diskussionswürdiger Basis, sondern der Leistungsnachweis sollte entscheidend sein.
Förderung statt Kürzung und Sanktion: Viel zu wenig beachtet wird der Umstand, wie wichtig gerade in einem stark reputationsmotivierten Umfeld wie dem universitären die Anerkennung ist. Zumindest Teile der Entlohnung könnten leistungsabhängig zugeteilt werden, so wie dies in der Vergangenheit durchaus erfolgreich der Fall war. Dabei könnte verstärkt an Wissenschaftspreise oder an eine Anerkennung für Publikationen in Top-Tier-Journals gedacht werden. Wissenschaftliche Mitarbeiter:innen sollten größere dienstrechtliche Eigenständigkeit erhalten, die Zuteilung an Lehrstühle mit einem Förderauftrag verbunden sein.
Nach über zwei Jahrzehnten ist im Wissenschaftsbereich wieder die SPÖ am Ruder. Eine einzigartige Chance, die große Firnberg-Tradition fortzuschreiben.
Zum Autor:
Peter Hilpold lehrt Völkerrecht, Europarecht und Steuerrecht an der Universität Innsbruck.
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