Kürzen bei den Universitäten: Sägen am eigenen Ast
Josef Ertl
Jahrelang hat sich die Welserin als Wissenschaftssprecherin der SPÖ für die Universitäten starkgemacht, nun muss sie als Ministerin ein herbes Sparprogramm verkünden.
Das ist der 33-Jährigen zweifellos zuwider, aber das Amt und die Verhältnisse bringen es mit sich.
Dennoch ist das Sparprogramm in seiner Rigorosität falsch. Denn die Universitäten bilden den Kern der Innovationsfähigkeit des Landes. Was haben wir außer den geistigen Fähigkeiten im internationalen Wettbewerb zu bieten? Billige Energie? Billige Arbeitskräfte? Billige Produktionsverhältnisse? Zugriff auf viel Kapital? Nein, wir haben lediglich Know-how. Die Fähigkeiten der Menschen sind unser Kapital. Bei den Universitäten um 14 Prozent zu kürzen, bedeutet, den Ast abzusägen, auf dem wir sitzen.
Die Verhältnisse lassen sich am Beispiel Linz ablesen. Die Gründung der Kepleruniversität 1966 und ihre Entwicklung sind wesentlich für den wirtschaftlichen Erfolg Oberösterreichs. Die Gründung der Medizinfakultät vor zehn Jahren hat zu einem qualitativen Schub in der Gesundheitsversorgung geführt. Es entstehen nun erste Medizintechnikfirmen. Die Firma Dynatrace, vor 20 Jahren als Start-up entstanden, macht heuer zwei Milliarden Dollar Umsatz und beschäftigt weltweit 5.600 Mitarbeiter.
Nicht nur Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP), auch Martin Winkler (SPÖ) und Felix Eypeltauer (Neos) sind aufgerufen, in der Koalition die Notbremse zu ziehen und den Standort zu schützen. Natürlich können auch an den Universitäten die Verhältnisse nicht so bleiben, wie sie sind. Angesichts knapper werdender Mittel fordert der Forschungsrat Reformen, damit die Leistungsfähigkeit der Universitäten international vergleichbar ist.
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