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Die „Klima-Apokalypse“ ist abgesagt

Nach der Korrektur des UN-Weltklimarates muss Europa zu ökosozialer Vernunft, Marktwirtschaft und Innovation zurückkehren. Ein Gastkommentar von Hans Harrer.
Mehrere Autos stehen hintereinander in einer Fabrikhalle, mit geöffneten Türen und Kofferräumen auf einer Produktionslinie.

Es ist eine Nachricht mit Sprengkraft – und dennoch gibt es keine Reaktion aus der Politik: Das Extrem-Klimaszenario, das über Jahre Studien, Medien, Wirtschaft und Politik prägte, verliert im neuen CMIP7-Rahmenwerk seinen Status als plausibler oberer Standardpfad. RCP8.5 beziehungsweise SSP5-8.5 ist nicht mehr die Messlatte. Kurz erklärt: RCP8.5 und SSP5-8.5 waren Hoch-Emissionsszenarien. Sie gingen davon aus, dass die Welt bis 2100 massiv auf fossile Energien, vor allem Kohle, setzt. Daraus wurden extreme Temperaturanstiege, steigende Meeresspiegel und Kipppunkt-Risiken abgeleitet.

Keine Kleinigkeit

Diese Korrektur ist keine Kleinigkeit. Politik, Medien, NGOs, Aktivisten und Bankenstresstests nutzten diese Erzählung, um Klimaziele, Green Deal, Regulierungen und Eingriffe zu rechtfertigen. Was wissenschaftlich als Szenario gedacht war, wurde medial oft wie eine Prophezeiung behandelt. Der Schaden ist enorm: Europas Industrie wurde mit Vorgaben, Berichtspflichten und Energiepreisen belastet, während Produktion in Drittstaaten abwandert – oft dorthin, wo klimaschädlicher produziert wird. Das exportiert Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Emissionen und importiert Wohlstandsverlust.

Ein älterer Mann mit Brille, Anzug und Krawatte steht mit verschränkten Armen da.

Hans Harrer.

Die neuen Szenarien sind keine Entwarnung. Sie sind aber eine Absage an eine Kommunikation, die den dramatischsten Pfad zur Normalerzählung machte. Der Senat der Wirtschaft bekennt sich zu Umwelt- und Klimaschutz. Doch der Weg dorthin muss auf Plausibilität, ökosozialer Vernunft und Innovation beruhen – nicht auf ideologischen Fiktionen. Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie: wirksam, marktwirtschaftlich, technologieoffen und ohne Zerstörung der industriellen Basis.

Besonders schwer wiegt, was diese Kommunikation mit der Jugend gemacht hat. Ein Schreckensszenario wurde einer Generation als Zukunftsbild eingepflanzt. Viele Junge wurden verängstigt und demotiviert, Plausibilität, Wahrscheinlichkeit und Modellunsicherheit kaum erklärt. Politik braucht keine Angstkulisse, sondern belastbare Grundlagen. Wenn ein Extremfall zur Normalerzählung wird, werden Verbote, Regulierungen und Eingriffe moralisch aufgeladen, statt nach Wirkung, Kosten und Nebenfolgen bewertet.

Der Senat der Wirtschaft fordert daher: transparente Entscheidungsgrundlagen, klare Trennung von Plausibilität und Wahrscheinlichkeit, keine Stresstests als Prognosen. Statt Vorgaben aus Brüssel brauchen wir ökosoziale Marktwirtschaft: Kostenwahrheit, steuerliche Anreize, Eigenverantwortung, Technologieoffenheit und Innovation. Das österreichische Goldplating muss beendet werden. Das überambitionierte Klimaziel 2040 gehört korrigiert. Wer heimische Industrie vertreibt, handelt standortfeindlich. EU-Klimaziele und Green-Deal-Verordnungen gehören ebenfalls auf den Prüfstand, da sie bloß Bürokratie aufblähen und Investitionen bremsen. Europa rettet das Klima nicht, indem es seine industrielle Basis schwächt.

Die Parteien der Mitte sind gefordert, sie müssen die Themenführerschaft in Klima- und Nachhaltigkeitsfragen zurückholen und nicht den Links-Apokalyptikern und Klimaleugnern überlassen. Ja zu Effizienz, Ressourcenschonung, Innovation. Nein zu Überregulierung, Angstpolitik und Selbstbeschädigung.

Zum Autor:

Hans Harrer ist Vorstandsvorsitzender des Senats der Wirtschaft Österreich.

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