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Sommerferien verschieben: Symptombekämpfung mit Nebenwirkungen

Eine Verschiebung des Ferienbeginns verschiebt nur das Problem. Nachhaltige Lösungen sind gefragt. Ein Gastkommentar von Carmen Treml.
PK "HITZESCHUTZGIPFEL ZU AKTUELLEN ENTWICKLUNGEN BEZÜGLICH HITZE IN SCHULEN": WIEDERKEHR (NEOS)

Die Hitze der letzten Wochen ist scheinbar auch manchen Politikern zu Kopf gestiegen. Anders lässt sich die Absurdität der kürzlich entbrannten Debatte über eine Vorverlegung der Schulsommerferien kaum erklären. Anfangs war noch zu hoffen, es handle sich um einen unüberlegt geäußerten Gedanken. Doch wie ein Lauffeuer machte der von mehreren Seiten als „ehrlich zu diskutierende“ bezeichnete Vorschlag die Runde.

Eine Einigung gibt es bislang nicht. Beim kurzfristig einberufenen Hitzeschutzgipfel vergangene Woche wurden Schulen und Lehrkräften zwar neue Handlungsmöglichkeiten je nach Hitzewarnstufe eingeräumt, eine Entscheidung über den Beginn der Sommerferien jedoch erneut vertagt. Vom Tisch ist die Idee deshalb keineswegs. Bildungsminister Christoph Wiederkehr kündigte an, dass eine mögliche Verlegung im Herbst thematisiert werden dürfte. Persönlich äußerte sich Wiederkehr – insbesondere im Vergleich zu seinem Parteikollegen und Mitinitiator Yannick Shetty – bislang zurückhaltend. Voraussetzung sei jedenfalls eine bundesweite Einigung.

 

Eine junge Frau mit blonden Haaren trägt einen schwarzen Blazer und ein weißes Hemd.

Carmen Treml.

Ganz angetan von der Idee wählte Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) einen pragmatischen Zugang indem er fragte: „Wer sagt, dass wir starr an einer Ferienregelung festhalten müssen, die vor 80 Jahren fixiert worden ist?“ Keiner, natürlich. Aber rhetorische Gegenfrage: Ist es zielführend, in jeder Ausnahmesituation grundlegende Regelungen infrage zu stellen? 

Die Politiker des Landes sehen das üblicherweise ähnlich; immerhin trotzt die Regierung von Reformunwillen und aus vergangenen Krisen hat man meist wenig gelernt. Ausgerechnet beim Thema Sommerferien scheint nun plötzlich Reformgeist aufzukeimen. Oder handelt es sich doch eher um den Versuch, mit einem emotionalen Thema verärgerte Eltern als Wähler zu gewinnen? Aber das ist natürlich reine Spekulation. 

Schattendasein

Unabhängig von den Motiven überrascht die entstandene Dringlichkeit. Bildungspolitische Themen fristen sonst häufig ein Schattendasein. Nun wird ausgerechnet eine Debatte mit großem Symbolwert geführt, obwohl das eigentliche Problem seit Jahren bekannt ist. Niemand kann ernsthaft behaupten, die zunehmende Hitze komme überraschend. Seit Jahrzehnten steigen die Durchschnittstemperaturen, Hitzetage und Tropennächte nehmen zu. Gerade in Städten gehören Nächte mit mehr als 25 Grad längst zum Sommer. Der Klimawandel wird zwar als Herausforderung anerkannt, nachhaltige Anpassungen bleiben aber vielerorts aus. Viele Schulgebäude wurden in einer Zeit gebaut, als Glasfassaden modern waren. Geschmackssache. Den heutigen Anforderungen entsprechen sie jedenfalls nicht mehr.

Praktisch jedes moderne Bürogebäude verfügt heute über eine Klimaanlage oder zumindest leistungsfähige Lüftungs- und Kühlsysteme. In Schulen oder Kindergärten sucht man diese hingegen meist vergebens – ausgerechnet dort, wo Konzentration und Lernen im Mittelpunkt stehen sollten.

Verantwortung übernehmen

Statt die Ferien an das Klima anzupassen, sollte sich die Politik den Tatsachen stellen und Verantwortung übernehmen. Notwendig wären Investitionen in Außenbeschattung, Begrünung, moderne Lüftungs- und Kühlsysteme sowie thermische Sanierungen. Natürlich kostet das Geld. Doch wer glaubt, mit einer Verschiebung der Sommerferien eine nachhaltige Lösung gefunden zu haben, verschiebt lediglich das Problem. Die Sommer werden dadurch nicht kühler, die Schulgebäude nicht besser und der Unterricht nicht angenehmer.

Im Gegenteil: Eine Änderung des Ferienkalenders hätte dagegen weitreichende Folgen für Familien, Tourismus, Wirtschaft und Betreuungseinrichtungen, ohne die eigentliche Ursache zu beseitigen. 

Tropfen auf heißem Stein

Die Ankündigung, 50 Bundesschulen künftig besser kühlen zu wollen, ist angesichts von mehreren tausend öffentlichen Schulen nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Mit nachhaltigen infrastrukturellen Anpassungen könnte man auch den leidigen Diskussionen über geeignete Hitzemaßnahmen oder ein generelles „Hitzefrei“ ein Ende setzen. 

Bleibt zu hoffen, dass mit den kühleren Temperaturen im Herbst auch etwas mehr Vernunft in die Debatte zurückkehrt. Nicht, dass beim ersten Schnee die Idee aufkommt, die Weihnachtsferien an die Schneelage anzupassen.

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