Energiekrise? Für Konzerne ein Geschäft

Ein Wasserzins nach Schweizer Vorbild könnte die heimischen Haushalte spürbar entlasten. Ein Gastkommentar von Leonard Jüngling.
Wasser fließt über eine Staumauer.

Die Spritpreise schießen nach oben, auch Gas verteuert sich massiv. Wer glaubt, ohne Auto und mit dem Ende der Heizperiode fein raus zu sein, irrt sich. Energie verteuert nicht nur Tanken und Heizen, sie sickert durch die gesamte Lieferkette. Vom Transport bis zum Einkauf.

Die Ökonomin Isabella Weber beschreibt es treffend. Energie gehört zu den systemisch signifikanten Preisen. Sie wirken wie ein Stoß durch die gesamte Wirtschaft. Zuerst verteuert sich Energie. Dann geben Unternehmen die Kosten weiter. Und weil ohnehin alle mit Teuerungen rechnen, erhöhen Unternehmen ihre Aufschläge stärker als nötig. In der Praxis zeigte sich das bereits 2022. Durch den russischen Angriffskrieg stiegen die Ölpreise und schlagartig zogen auch die Spritpreise an. Die Bundeswettbewerbsbehörde belegt: Nicht nur höhere Ölpreise, sondern auch höhere Gewinnmargen trieben die Preise. Während an der Zapfsäule tief in die Tasche gegriffen werden musste, sprudelten bei Konzernen die Gewinne. Die OMV verbuchte 2022 rund drei Mrd. Euro mehr Gewinn als im Schnitt der Vorjahre. In die Gewinnmargen griff die Regierung nicht ein.

Ein Mann mit blauen Augen und dunklen Haaren trägt ein schwarzes Poloshirt.

Leonard Jüngling.

Ähnlich beim Gas. Die Preise legten hierzulande noch lange zu, als sie im Rest der EU längst zurückgingen. Damit blieb auch Strom teuer. Aufgrund der Merit-Order bestimmt immer die teuerste Herstellungsmethode den Preis. Schießt der Gaspreis in die Höhe, treibt das den Strompreis mit hinauf – selbst bei Strom aus günstiger Solar- oder Wasserkraft. Haushalte zahlen hohe Preise, während Energieunternehmen Profite einstreifen.

Zufallsgewinne der Energieversorger

Von 2022 bis 2024 haben die neun Landesenergieversorger, die OMV und der Verbund zusammen über 10 Mrd. an zusätzlichen Zufallsgewinnen eingefahren. Die Verbund AG verdient bis heute prächtig: 2025 waren es 1,5 Milliarden Euro Gewinn. Und damit mehr als doppelt so viel wie vor der Krise. Dabei stammt der Großteil des produzierten Stroms aus Wasserkraft. Die Anlagen sind längst abbezahlt, das Wasser fließt ohnehin. Die Strompreise blieben aber weiterhin hoch. So auch die Gewinne.

Die Abschöpfung durch den Energiekrisenbeitrag bleibt zahnlos. Von den Übergewinnen wurde bisher nur ein Bruchteil abgeschöpft. Wenn sich der Verbund-Chef dennoch als „Melkkuh“ inszeniert, ist das mehr Hohn als Realität. So wenig ergiebig ist keine Kuh.

Ein Blick in die Schweiz zeigt: Es geht auch anders. Dort zahlen Energieunternehmen seit über 100 Jahren einen Wasserzins auf Strom aus Wasserkraft. Der liegt aktuell bei etwa 1,5 Cent pro Kilowattstunde. Eine ähnliche Regelung würde Österreich Einnahmen von einer halben Milliarde Euro bringen. Geld, das direkt ins Budget fließen und Haushalte mit hohen Stromrechnungen entlasten könnte.

Durch die Lage in und um Iran werden Gas- und Strompreise erneut anziehen. Bei den Spritpreisen hat die Regierung aus den Fehlern von 2022 offenbar gelernt. Sie kündigte eine Deckelung der Gewinnaufschläge an. Diese Einsicht sollte sie ausweiten. Solange systemisch wichtige Energiepreise ungebremst durchschlagen und Unternehmen im Windschatten ihre Gewinne steigern, zahlen am Ende die Haushalte die Rechnung.

Zum Autor:
Leonard Jüngling ist Ökonom am ökosozialen und gewerkschaftsnahen Momentum Institut.

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