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Burgenländische Kliniken: Die heilige Kuh des Föderalismus

Krankenhaus-Rankings solcher Art dienen manchem Landesfürsten zur Legitimation teurer Investitionen. Ein Gastkommentar

Groß war die Überraschung, als am 4. Mai im KURIER zu lesen war, dass in einer Umfrage zur Qualität der medizinischen Versorgung im stationären Bereich gleich drei Institutionen des Burgenlands unter die sieben bestgereihten Kliniken Österreichs gereiht worden seien. Die Klinik in Oberwart nimmt in dieser Erhebung der „Gesellschaft für Verbraucherstudien“ den vierten Platz ein, das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt Rang sechs und die Klinik Oberpullendorf Platz sieben.

Das Ergebnis überrascht deshalb, weil ja immer noch die Klage einiger Landespolitiker über zu lange Wartezeiten für sogenannte „Gastpatienten“ aus dem Burgenland in Wiener Krankenhäusern in den Ohren klingt. Es wäre naheliegend, sich umgehend um einen Termin in diesen so hervorragend bewerteten Kliniken des eigenen Bundeslandes zu bemühen, anstatt auf Wien zu warten, noch dazu, wo das Wiener Allgemeine Krankenhaus, also das weltweit hochgeschätzte Wiener Universitätsklinikum, erst an 24. Stelle (!) gelistet wird, noch hinter der Klinik Kittsee.

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Othmar Zechner.

Diskussionswürdig

Die qualitative Aussagekraft dieser Untersuchung ist also sehr diskussionswürdig. In dieser Studie wurde die Zufriedenheit von Patienten und Angehörigen rückblickend auf drei Jahre beurteilt, und die erhobenen Parameter mit 50 Prozent der Aussagekraft gewichtet. Dazu wurden Empfangsmanagement, Verfügbarkeit des Personals, Sauberkeit etc. beurteilt. Medizinische Qualitätskriterien wie Diagnose- und Behandlungserfolge und Scores bezüglich Komplikationen nach operativen Eingriffen wurden nicht berücksichtigt.

Abgesehen davon, dass solcherart durchgeführte Studien keine relevanten Informationen über die tatsächliche Qualität der Behandlung in den verschiedenen Krankenhäusern ergeben, eignen sie sich auch nicht für ein fundiertes „Benchmarking“ über Behandlungspotenzial und Performance der medizinischen Leistungen.

Sie haben allerdings einen großen Vorteil: Mit ihnen lassen sich – entsprechend medial verbreitet – sündteure und gesamtstaatlich nicht akkordierte Investitionen wie eine Herzchirurgie in Oberwart und ein neues Spital in Gols im nördlichen Burgenland rechtfertigen.

Nach Gutsherrenart

Der Landesfürst, pardon: Landeshauptmann Hans Peter Doskozil beschließt nach Gutsherrenart teure Investitionen, deren finanzielle Bedeckung unklar ist, was aber insofern egal ist, als er damit ohnehin erst zukünftige Politikerinnen und Politiker in die Ziehung nimmt. Das warnende Beispiel Kärntens unter Jörg Haider und das daraus resultierende Finanzdesaster ist offenbar schon vergessen.

Diese Vorgangsweise ist ein hervorragendes Schulbeispiel dafür, wie egozentrische Landespolitik auf der Basis der heiligen Kuh Föderalismus dem Gesamtstaat zum Schaden gereicht. Die jahrzehntealte Forderung, die Gesundheitspolitik den einzelnen Ländern zu entziehen und, wenn schon nicht gesamtstaatlich, so zumindest regional zu organisieren, scheint selbst in diesen prekären Zeiten wieder einmal am Mut der verantwortlichen Bundespolitiker und am Eigensinn und an der Selbstüberschätzung einzelner Landespolitiker zu scheitern.

Zum Autor:
Othmar Zechner ist ehemaliger Vorstand der Urologischen Abteilung am Wilhelminenspital Wien (neuerdings Klinik Ottakring).

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