© Fotograf Photo Simonis Wien

Meinung Gastkommentar
06/27/2022

Wer E sagt, muss auch L sagen!

Elektroautos brauchen eine ausreichende Infrastruktur.

Das EU-Parlament will ab 2035 neue Verbrenner-Motoren verbieten. Wer aber E wie E-Mobilität sagt, muss auch L wie Ladeinfrastruktur sagen. Denn eines ist klar: Ohne E-Mobilität kein Ausweg aus der Klimakrise, aber ohne Lade-Infrastruktur keine nachhaltige E-Mobilität.

Positiv: Österreich liegt bei der öffentlichen Ladeinfrastruktur deutlich besser als andere EU-Länder. Problematisch: Der Ausbau geht zu langsam. Gerade einmal ein Drittel des notwendigen Ausbaus wird zeitgerecht umgesetzt. Was das Land braucht, ist ein emissionsfreier Turbo für die Elektromobilität.

Ein wenig hat man den Eindruck, als hätte die Bürokratie die E-Mobilität für sich entdeckt. Beispiele? Ab 2023 muss an allen Schnellladestationen mit einer Leistung über 50 kW die Zahlung über ein lokales Kreditkartenterminal für das Ad-hoc-Laden möglich sein – obwohl heute schon alles modern online, ohne Zusatzkosten funktioniert. Verpflichtend, EU-weit. OK. Setzen wir um.

Nächste Station Eichrecht: Wenn Kund:innen an der Zapfsäule Benzin oder Diesel tanken, zahlen sie selbstverständlich pro Liter. An E-Ladesäulen zahlen sie für die Zeit. Die Abrechnung soll auch beim Laden auf die Energiemenge umgestellt werden. Das macht Sinn.

In Deutschland wurde dies ab 2019 zielgerichtet umgesetzt. In Österreich diskutieren wir seit Jahren, es gibt immer noch keine Richtlinie und wir werden vom Wirtschaftsministerium vertröstet. Erste bereits in Deutschland zugelassene Hersteller lassen ihre Säulen nun auch in Österreich anerkennen, aber was passiert mit bereits bestehenden? Es braucht pragmatische Lösungen. Wenn es so weitergeht, sind wir im schlimmsten Fall nur noch mit Verfahren, Umbauten und sogar mit Rückbauten der Infrastruktur beschäftigt.

Der Schlüssel zum Erfolg der Elektromobilität im öffentlichen Laden heißt High Power Charging (HPC) – also ultraschnelles Laden. Für 100 Kilometer weniger als fünf Minuten Ladezeit. Wir setzen hier zukünftig auch auf große Hubs mit 20 HPC-Ladepunkten und mehr. Aber dafür braucht es auch Flächen – an Autobahnen und Schnellstraßen, in Städten und Gemeinden.

Kommunen sollten verpflichtet werden, geeignete Flächen für öffentliche Ladestationen auszuweisen. Und es muss Bewegung rein: Zur Zeit warten wir auf einen Mittelspannungsanschluss zwölf Monate und mehr! Hier muss massiv in den Netzausbau und die Kapazitäten der Verteilnetzbetreiber investiert werden.

E-Mobilität ist Green-Tech und dafür brauchen wir ausgebildete und engagierte Fachkräfte. Auch da gibt es Hürden, etwa mit der Rot-Weiß-Rot-Card. E-Mobilität muss auf die Überholspur. Das ist angesichts der Klimakatastrophe ein Gebot der Stunde. Dafür müssen aber einige Baustellen schleunigst abgebaut werden.

Hauke Hinrichs ist Geschäftsführer des E-Mobilitätsdienstleisters SMATRICS.

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