© Kurier/Jeff Mangione

Meinung Gastkommentar
11/20/2021

Was ist nun zu tun?

Die nicht überwundenen Krisen der Gegenwart

Die Wachstumserwartungen der Wirtschaft werden weltweit reduziert, die Rohstoff-Verteuerungen und die explodierenden Energiepreise sind dramatisch, Lieferketten gestört und Logistik-Engpässe an der Tagesordnung. China kämpft mit massiven Problemen. Das alles dämpft die Erholung der Wirtschaft, dazu kommt noch in vielen Bereichen die Tatsache, dass Corona immer noch gegenwärtig ist und viele Bereiche, wie beispielsweise den internationalen Tourismus, sehr beeinträchtigt.

Wir sind mitten in einer Diskussion über eine steigende Inflation. Die Teuerung schlägt sich auf die Preise durch, die Löhne werden nachziehen, die Inflation kommt in Gang. Dies bedeutet aber auch, dass die Null-Zins-Politik nicht mehr lange aufrecht erhalten werden kann. Inflation auf der einen Seite, null Zinsen auf der anderen Seite wird zu einem politischen Problem werden.

Dies umso mehr, als die Kapitalmärkte in Europa längst nicht so gut funktionieren wie beispielsweise in den USA. Das gute alte Sparbuch ist nach wie vor die weitaus beliebteste Anlageform in Europa. Warum wird die immer wieder beabsichtigte Attraktivierung des Kapitalmarkts, verbunden mit einer Sicherheit für Anleger, immer wieder aufgeschoben? Der zunehmend sicht- und spürbare Mangel an Fachkräften wirkt sich ebenfalls massiv aus. Hier rächen sich die Versäumnisse in der Aus- und Weiterbildung. Eine Revolutionierung des Bildungssystems wäre angesagt, von der Lernstoff-Orientierung hin zur Talente-Orientierung. Wir wissen es, aber warum tun wir nichts? Auch in den öffentlichen Haushalten wird es grimmig. Ein nachlassendes Wachstum bringt auch nachlassende Steuern und Abgaben mit sich.

Auf der anderen Seite stehen steigende Anforderungen an die öffentlichen Haushalte. Das lange absehbare Eintreten der Baby-Boomer-Generation in das Pensionsalter verschärft nicht nur den Arbeitskräftemangel, sondern belastet auch die Pensionssysteme. Der Staat muss massiv in die Tasche greifen. Die steigende Lebenserwartung wiederum hat zur Folge, dass in Verbindung mit einem besseren, aber auch teureren Gesundheitssystem die Kosten für Gesundheit, vor allem aber auch für Pflege gravierend steigen. Wie lange werden wir noch über Pflegekräfte aus unseren östlichen Nachbarländern verfügen können? Und was folgt dann? Niemand hat eine Antwort parat. Wie oft wird über die Lösung in der Pflegefrage gesprochen? Vor allem aber: Warum geschieht nichts? Es gibt in einigen europäischen Ländern beste Beispiele, die wir uns genauer ansehen sollten und von denen wir lernen könnten. Lernen, wie man Probleme löst anstatt die Augen vor ihnen zu verschließen. Und mit etwas Flexibilität und Fantasie in Kombination mit Umsetzungstatkraft sind alle diese Problemstellungen durchaus bewältigbar. Aber angehen muss man es. Und zwar rasch!

Christoph Leitl ist Präsident der europäischen Wirtschaftskammer Eurochambres.

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