© Kurier/Franz Gruber

Gastkommentar
03/20/2021

Warum wir so wenige Impfstoffe haben

Europa hat aus nationalen Interessen zuerst auf die falschen Hersteller gesetzt. Bei den Erfolgreichen war man hinten nach

Die USA und das Vereinigte Königreich sind effizienter bei der Bewältigung der Krise. Schuld sei die Brüsseler Bürokratie, so die Medien im deutschsprachigen Raum, weil die Bestellungen durch die Kommission koordiniert wurden, um Marktmacht den „Konzernen“ gegenüberzustellen.

Eine kurze Analyse der Umstände zeigt, dass Marktmacht wohl kaum nützlich ist, wenn die zu beschaffenden Seren Mangelware sind. Da kommt es auf Schnelligkeit und Klugheit im Auswahlprozess und vor allem aber auf ein Verständnis für den Markt von Impfstoffen an: Die Entwicklungskosten sind hoch, die Zulassungsverfahren mühsam und die Kritiker innerhalb und außerhalb des europäischen Parlaments erklärten die Pharmaindustrie zum Paria.

In dem Umfeld war es spannend zu beobachten, dass die neuen Hoffnungsträger entweder in Europa entwickelt oder durch Europäer wesentlich angestoßen wurden. Alle neuen Unternehmen waren Ableger von Universitäten, wie Biontech, Curevac in Europa oder Moderna, Novavax in den USA. Oxford in UK hatte eine lange wissenschaftliche Tradition in der Entwicklung von Impfstoffen. Mit Ausnahme von Oxford gingen alle neuen Spieler im Impfmarkt in den USA an die Börse, weil dort die Investoren sind, die auch geduldiger sind.

Im ersten Schreck, dass die USA auch auf deutsche Hoffnungsträger greifen könnte, beteiligte sich der deutsche Staat an Curevac mit mehr als 300 Mio. Euro. Biontech war das einzige Unternehmen, der neuen Generation mit der mRNA Technologie, welches seit 2018 mit einem Jumbo (Pfizer) kooperierte, der weltweite Zulassungsprozesse beherrschte und Produktion auch konnte.

Curevac hat das verschlafen – wie auch andere Spieler im Impfmarkt nicht glücklich agierten. AstraZeneca wurde zum Partner von Oxford, nachdem Merck und Glaxo abwinkten, hatte aber selbst keine Tradition bei der Herstellung von Impfstoffen. Die britische Regierung hat am 17. Mai den Vertrag mit Oxford und AstraZeneca massive Mittel zur Entwicklung und für Produktionsstätten bereitgestellt.

Die Bestellungen wurden einer Vaccine Taskforce übertragen, zudem hatte das zentrale Gesundheitssystem NHS viel Erfahrung bei Beschaffungsvorgängen.

Im europäischen Bestellprozess wurde politisch entschieden. Deutschland favorisierte Curevac, weil selbst beteiligt, und die Franzosen Sanofi, weil ja Franzosen.

Biontech/Pfizer wurde zu Beginn nach hinten gereiht. AstraZeneca war der Hoffnungsträger, weil es der britische Anspruch war, einen leistbaren Impfstoff für alle herzustellen. Nur hatte keiner verstanden, dass das Hochfahren der Produktion mit Lohnfertigern dann ein Problem ist, wenn man selbst keine Tradition in der Herstellung von Seren hat.

So war es dann auch. Europa hat also zuerst auf die Falschen gesetzt und war dann bei den Erfolgreichen hinten nach.

Was fällt den Europäern dazu ein? Patente aussetzen, Feldzug gegen die Pharmaunternehmen, wie dies im Europäischen Parlament geschah, und dumm herum heulen. Die Politik Deutschlands und das unternehmerfeindliche Klima in Brüssel sind offenbar noch gefährlicher als das Virus.

Gottfried Schellmann ist Steuerberater und Wirtschaftsexperte.

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