© Karl Lahmer

Meinung Gastkommentar

Warum es Kindern schlecht geht

Psychische Leiden nehmen zu. Das hat leider sehr viele Ursachen

10/27/2021, 03:00 AM

Warum sind so viele Kinder und Jugendliche psychisch krank? T√§glich melden sich verzweifelte Eltern und junge Menschen in meiner Kassenpraxis f√ľr Kinder-und Jugendpsychotherapie, weil sie dringend Unterst√ľtzung und Hilfe ben√∂tigen. Die Situation war immer schon prek√§r, hat sich aber durch die Pandemie verst√§rkt: Kleine Kinder haben Angst, Schmerzen, k√∂nnen sich in der Schule nicht konzentrieren, ziehen sich zur√ľck, Jugendliche verletzen sich selbst, leiden an Essst√∂rungen und Suchtverhalten, haben Suizidgedanken, k√∂nnen den Lernstoff nicht bew√§ltigen und leiden unter Perspektivenlosigkeit.

Was ist los mit den Kindern und Jugendlichen? In meiner langj√§hrigen T√§tigkeit h√∂re ich in den Therapiegespr√§chen mit den jungen Menschen, dass sie meist schon sehr fr√ľh unter Problemen im famili√§ren Umfeld leiden (Streit, Trennungen, Scheidungen, Patchworksituationen, psychische Erkrankungen der Eltern).

Oft sind es auch zu hohe Erwartungen und Druck der Eltern, die belastend sind. Im Schulalltag, wird allzu oft wenig R√ľcksicht auf die individuellen Bed√ľrfnisse der jungen Menschen genommen: Der Lernstoff ist f√ľr alle gleich und die Begabungen und Schw√§chen werden ignoriert. Ich erlebe sehr viele Kinder, die sich vor LehrerInnen und ihren Methoden f√ľrchten.

√úbertriebene Kriterien

Jugendliche lernen und studieren viele Jahre, geben ihr Bestes und m√ľssen dann feststellen, dass am Arbeitsmarkt, in vielen Sparten, niemand auf sie wartet: Unbezahlte Praktika, √ľbertriebene Aufnahmekriterien oder Verfahren, schlechte Bezahlung, wenig Empathie und Wertsch√§tzung seitens der KollegInnen und Vorgesetzten wirken sich belastend aus. Sie werden meist nicht gefragt, geh√∂rt, verstanden und in Entscheidungen mit eingebunden.

Was brauchen die jungen Menschen? Wie k√∂nnen Ressourcen und Resilienzen fr√ľh genug gest√§rkt werden? Wenn Kinder von Beginn an ihre Bed√ľrfnisse √§u√üern d√ľrfen, geh√∂rt und verstanden werden und in Entscheidungen mit eingebunden werden, so wirkt sich das pr√§ventiv auf die psychische und physische Gesundheit aus. Es st√§rkt die Ressourcen und macht sie resilient gegen√ľber den Herausforderungen im Alltag.

Es liegt in der Verantwortung unserer Gesellschaft, Eltern, P√§dagogInnen, Betrieben, Einrichtungen und der Politik, die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu sch√ľtzen, ihre Bed√ľrfnisse zu h√∂ren, zu verstehen und ernst zu nehmen.

Wenn uns das gelingt, wirkt sich das auf unser Sozial- und Gesundheitssystem und auf das Leben vieler einzelner Menschen pr√§ventiv und positiv aus. So wie unsere Umwelt, m√ľssen wir auch unsere Kinder und jungen Menschen sch√ľtzen.

Sie sind unsere Zukunft!

Margit Schmied ist Kassenpsychotherapeutin f√ľr Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in St. P√∂lten.

Jederzeit und √ľberall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare

Warum es Kindern schlecht geht | kurier.atMotor.atKurier.atKurier.atFreizeit.atFilm.atImmmopartnersuchepartnersucheSpieleCreated by Icons Producer from the Noun Project profilkat