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Meinung Gastkommentar

Vor 50 Jahren gewann die SPÖ die Absolute

Bruno Kreiskys langjähriger Pressesprecher erinnert sich an eine lange Periode sozialdemokratischer Erfolge

10/18/2021, 05:00 AM

Am 7. Juli 1971 stellte die SPÖ mit Unterstützung der Freiheitlichen im Parlament den Antrag auf vorzeitige Auflösung des Nationalrates und Ausschreibung der Neuwahl für den 10. Oktober.

Hatte die SPÖ 1970 mit dem Slogan „Wir bauen das moderne Österreich“ geworben, so konnte man nun auf den Plakaten „Lasst Kreisky und sein Team arbeiten“ lesen.

Der Kanzler war populär, sein linksliberaler Regierungskurs entsprach dem Zeitgeist und mit dem Journalisten Heinz Brantl saß in der Parteizentrale in der Wiener Löwelstraße ein genialer Werbechef. Er bediente sich der Mittel der modernen Sozialforschung, setzte auf Sympathiewerbung, die sich von traditionellen Kampagnen unterschied, und präsentierte die SPÖ ganz im Stil des damals beliebten deutschen Magazins „Jasmin“ als moderne progressive Partei.

Damit erreichte Brantl Wähler der Mitte, denen angeboten wurde, „ein Stück des Weges“ mit der Sozialdemokratie zu gehen. Diese SPÖ entsprach nun gar nicht dem von der ÖVP bislang durchaus mit Erfolg gepflegten Schreckgespenst der „roten Gefahr“. Und Brantl setzte auf ein Prominenten-Unterstützungskomitee.

So erreichte die SPÖ am Wahlabend mit 50,4 Prozent der Stimmen (plus 1,62) 93 Mandate, während die Volkspartei nur auf 43,12 Prozent (minus 1,57) und 80 Mandate kam. Die Freiheitlichen brachten es auf 5,45 Prozent (minus 0,07) und 10 Mandate. Noch zweimal sollte es Bruno Kreisky gelingen, eine absolute Parlamentsmehrheit zu erringen, 1975 und 1979. In der Periode von 1971 bis 1983 war die SPÖ die stärkste sozialdemokratische Partei Europas.

Vor allem in der ersten Hälfte der „Ära Kreisky“ brachte ein gut eingespieltes Regierungsteam viele wichtige Reformen auf den Weg, wobei die Schlüsselspieler die Minister Hannes Androsch (Finanzen), Christian Broda (Justiz), Hertha Firnberg (Wissenschaft) und Rudolf Häuser (Soziales) waren. Viele dieser Reformen waren nicht spezifisch sozialdemokratisch, sie entsprachen aber dem in weiten Kreisen der Bevölkerung vorhandenen Bedürfnis nach der Aufarbeitung eines liberalen Nachholbedarfes. Und Bruno Kreisky, der linksliberale Bürgersohn aus einer jüdischen Industriellenfamilie, brach mit so manchem Tabu.

Auf internationaler Ebene verschaffte der frühere Außenminister Kreisky dem kleinen Österreich eine Geltung, die es weder vorher noch nachher hatte. Sein Eintreten für die Schaffung eines Palästinenserstaates polarisierte, aber setzte dieses Thema auf die weltpolitische Agenda. Kreisky war in seiner Jugend von zwei großen Persönlichkeiten der österreichischen Sozialdemokratie geprägt worden, vom austromarxistischen Theoretiker Otto Bauer und vom Pragmatiker Karl Renner.

Wenn er in seinen Reden auch sehr oft Bauer zitierte und würdigte, war er in seiner politischen Arbeit zweifellos näher bei Renner. Im Rückblick auf sein politisches Leben formulierte Bruno Kreisky sein sozialdemokratisches Credo: „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass gewisse Umstände so und nicht anders sind, aber das bedeutet noch lange nicht, dass wir bereit sein müssen, sie als unumstößliche Tatsachen hinzunehmen.“

Johannes Kunz war Pressesprecher von Bundeskanzler Bruno Kreisky.

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