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Meinung Gastkommentar
11/16/2021

Und wo bleibt Don Camillo?

Kirche und die Grazer Koalitionäre der KPÖ sind Geschichtsvergessen

Gewiss, Elke Kahr kann natürlich nicht das Geringste persönlich für die Säuberungen Stalins, für millionenfachen Massenmord im Namen des Kommunismus, für Pol Pot und zahlreiche andere rote „blutige Revolutionäre“.

Viele sehen in der Unterstützung der KPÖ sogar eine „knallharte Proteststimme“ gegen das Establishment. Oder ist es heutzutage einfach schick, links zu wählen? Die Vorstellung, dass beinahe 30 Prozent der Wählerstimmen von überzeugten Kommunisten stammen, glaubt nicht einmal Frau Kahr selbst. Historische Tatsache ist aber, dass keine kommunistische Partei bekannt ist, die sich mit dem Verteilen von Suppen und mit Gehaltsselbstbeschränkungen zufriedengegeben hätte.

„Kommunismus“ bedeutet, permanent umzuverteilen, Leistung zu unterbinden, Neid zu schüren und die Verbrechen, die im Namen der eigenen Ideologie begangen wurden, von sich zu weisen und zu bagatellisieren. Schließlich geht es immer und überall gegen einen Klassenfeind. Gibt es im Moment keinen, dann muss einer gefunden werden: Also „Feindbild-Denken“.

Im Grunde spricht die Zusammensetzung des zukünftigen Grazer Stadtparlaments aber nicht so sehr gegen die KPÖ selbst, sondern gegen deren Partner, Grüne und Sozialdemokraten. Als Steigbügelhalter haben sie Opportunität über den politischen Nachkriegskonsens, über politische Hygiene gestellt.

Es geht – das sei ausdrücklich festgehalten – nicht darum, den Wahlerfolg der KPÖ zu schmälern. Die Kritik wendet sich an Parteien und gesellschaftliche Gruppen, die sich den Kommunisten an die Brust werfen und erst durch ein politisches Koalieren, den relativen Wahlerfolg der KP in reale Machtbefugnisse umwandeln. Der linke Schulterschluss wird zur weiteren Spaltung der Gesellschaft beitragen.

Denn die extremen Ränder wurden vielleicht auf der rechten Seite eingefangen, auf der linken Seite werden sie als Patentrezept verkauft. Wollen das die Sozialdemokraten wirklich?

Noch jemanden gibt es, der zur richtigen Zeit nicht das passende Wort gefunden hat: die steirische und österreichische Kirche. Seitdem der Kommunismus als gestaltende Kraft die Weltbühne betreten hat, war die Kirche der Todfeind der Kommunisten. Davon geben Millionen von Menschen ein unwiderlegbares Zeugnis ab, die nur deswegen von kommunistischen Ideologen und ihren Handlangern ermordet worden waren.

Wenn jetzt manche Laienprediger die KPÖ als eine Art Caritas darstellen, dann bedeutet dies die Selbstaufgabe und das endgültige Eingeständnis der eigenen Bedeutungslosigkeit. Dass die katholische Kirche unter dem Deckmantel der politischen Neutralität auf den Zug des Zeitgeistes aufspringt, indem man vorgibt, bestimmte Ziele wie auch die Kommunisten zu verfolgen, verdeutlicht bloß das Ignorieren der eigenen Geschichte. Wie meinte schon Lenin: „Sage mir, wer dich lobt, und ich sage dir, worin dein Fehler besteht“. „Freundschaft“ nach Graz!

Johannes Schönner ist Geschäftsführer des Karl-von-Vogelsang-Instituts

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