┬ę Ksenia Pogorelova

Meinung Gastkommentar

Und was ist mit uns Jungen?

Die steuererleichterte Behaltefrist hat ihre Berechtigung

01/22/2022, 08:02 PM

Als junger Erwachsener Geld zu sparen war immer schon schwer. In den letzten Jahren wurde es aber noch einmal wesentlich komplizierter. Am Sparbuch gibt es schon lange keine Zinsen mehr. Und durch die hohe Inflation bekommt man real heute sogar noch weniger als in den vergangenen zwanzig Jahren. Immobilien sind f├╝r Durchschnittsverdiener sowieso unbezahlbar geworden. Passende Alternativen finden immer mehr Junge in Wertpapieren. Nun sollen langfristig gehaltene Wertpapiere von der Kapitalertragsteuer ausgenommen werden. Die 2012 abgeschaffte Behaltefrist soll wieder eingef├╝hrt werden.

Das bedeutet: Werden Wertpapiere nach Ablauf dieser Frist verkauft, wird der Kursgewinn nicht mehr besteuert. Das ist nur w├╝rdig und recht, wenn bereits versteuertes Geld erfolgreich veranlagt wird, sollte der Staat nicht noch einmal die Hand aufhalten. Die Kritik aus dem linken Lager lie├č nicht lange auf sich warten. Damit w├╝rde nur den Milliard├Ąren ein weiteres Steuergeschenk gemacht.

Ein rein ideologisch motivierter Reflex: Denn tats├Ąchlich w├╝rde es nicht schaden, jungen Sparern zu signalisieren: Besch├Ąftigt euch mit dem Finanzmarkt, um langfristig anzulegen. Gerade jetzt w├Ąre es f├╝r Junge an der Zeit zu sparen. Nicht nur f├╝r private Investitionen. Sondern auch f├╝r die Pension. Der Staat muss j├Ąhrlich mehr als 20 Milliarden Euro zuschie├čen, um diese ├╝berhaupt am Laufen zu halten. Trotz der unz├Ąhligen Empfehlungen globaler Organisationen wird der notwendige Umbau der staatlichen und der Ausbau der betrieblichen und privaten Vorsorge von der Politik ignoriert. Mehr als halbgare Reformen und das gescheiterte Produkt der pr├Ąmienbeg├╝nstigten Zukunftsvorsorge gab es bislang nicht.

Es sieht so aus, als ob die Pensionsreform erst dann angegangen wird, wenn es zu sp├Ąt ist. Das bedeutet f├╝r Junge, dass sie nicht nur die Pensionen der ├älteren bezahlen m├╝ssen, sondern auch noch ihre eigene Vorsorge angehen m├╝ssen. Mit dieser Ausgangssituation haben sich viele junge Erwachsene bereits abgefunden. Die Pandemie hat dazu gef├╝hrt, dass immer mehr ihr Geld in Wertpapiere stecken. Die n├Âtige Finanzbildung holen sie sich im Internet.

Womit sie sich allerdings nicht abfinden sollen, ist das verstaubte Bild des Spekulanten, das ihnen in ├ľsterreich aufgedr├╝ckt wird. Diese ÔÇ×SpekulantenÔÇť haben zwar auch ihre Daseinsberechtigung ÔÇô von der Realit├Ąt eines Kleinsparers sind sie jedoch meilenweit entfernt. Jungen Erwachsenen geht es darum, sich um ihre Zukunft zu k├╝mmern. Die Behaltefrist legt den Fokus genau auf dieses langfristige Ansparen. Sie bietet zumindest eine kleine Entlastung f├╝r genau diejenigen, die sich zu Recht nicht mehr auf die Politik verlassen und deshalb mit ihrem Geld selbst privat vorsorgen wollen. Und das sollte der Staat honorieren, statt noch einmal zu kassieren.

Heike Lehner ist ├ľkonomin beim wirtschaftsliberalen Thinktank Agenda Austria.

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