© Frederic Zimmel

Meinung Gastkommentar
08/05/2021

Österreich fehlen 10.000 Daten-Expert*innen

Der Bedarf steigt rasant an – aber es gibt zu wenig Fachpersonal

Für die „Harvard Business Review“ ist es schon seit 2012 der „Sexiest Job of the 21st Century“ und trotzdem nach wie vor IT-Mangelberuf Nr.1 – das Arbeitsfeld Data Scientist. EU-weit fehlen 500.000, in Österreich deutlich über 10.000 dieser Daten Expert*innen. Tendenz steigend. Immer mehr Unternehmen erkennen das Potenzial von Datenmengen und müssen sich als „Data-driven Company“ neu definieren, um im Wettbewerb bestehen zu können. Ohne die dringend notwendigen Expert*innen wird Österreich den internationalen Anschluss verlieren. Data Scientists helfen dabei, gesammelte Daten der Unternehmen richtig zu nutzen und wichtige Zusammenhänge herzustellen.

Sie wissen Konzepte und Techniken aus Informatik, Statistik und Mathematik richtig einzusetzen und sind somit von großer Bedeutung. Denn Künstliche Intelligenz (KI) und Big Data sind in aller Munde. Betrachtet man unter anderem die heimische Start-up Szene, so sieht man, dass es kaum mehr ein Unternehmen im Tech-Bereich gibt, das keine KI anwendet. Darum wundert es nicht, dass auch die großen Firmen zunehmend Daten bzw. Data Science und KI einsetzen wollen, um ihre Innovationsfähigkeit und folglich ihr Wachstumspotenzial zu stärken.

Das Problem: Trotz der Chancen und Möglichkeiten von Daten und KI ist das Verständnis für den Umgang und den Einsatz dieser beiden Felder – ergo, für Data Science – in weiten Teilen Österreichs noch nicht präsent. Unabhängig von unserem Verständnis oder Nicht-Verständnis wird Data Science aber wesentlich unsere Zukunft prägen, wie beispielsweise durch selbstfahrende Autos, Hyperpersonalisierung, smarte Geräte und Städte sowie durch Bezahlung von Diensten oder Produkten mittels Daten.

Durch die voranschreitende Digitalisierung kommt es zu einem rasant wachsenden Bedarf an Data Scientists, der sich nicht allein durch neue Studiengänge decken lässt. Ohne die dringend notwendigen Expert*innen wird Österreich dem digitalen Wandel weiter hinterherhinken. Wie eine Studie von Ernst & Young zeigt, haben vier von zehn österreichischen Unternehmen Umsätze verloren, weil sie keine Fachkräfte – vor allem aus dem IT-Bereich – finden konnten.

Es braucht ein zentrales Verständnis für den Charakter und die Entwicklung von Data Science, ansonsten werden Unternehmen wesentliche Entwicklungen und Marktchancen verpassen. Österreich läuft damit Gefahr, als Wirtschaftsregion, Arbeitsmarkt und auch aus gesellschaftlicher Sicht zurückzubleiben. Es muss jetzt gehandelt werden, um ein gemeinsames Verständnis von Data Science, noch mehr zukunftsorientierte Ausbildungen und eine Data-Strategie für Österreich zu erzielen. Darüber hinaus ist es wichtig, blindem Nutzen von Daten und hastigem Entwickeln von Künstlichen Intelligenzen entgegenzuwirken. Ansonsten drohen unethische Fortschritte, diskriminierende, unsichere Künstliche Intelligenzen und datenschutzrechtliche Probleme.

Alexander Adrowitzer ist Data Science Experte, Lead der Expert Group „Datanauts“ des DMVÖ sowie Dozent an der FH St. Pölten.

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