¬© √ĖGB

Meinung Gastkommentar
01/08/2022

Mangel? Machen wir was draus

Arbeitsbedingungen verbessern, dann klappt das Recruiting

Als L√∂sung f√ľr den ‚ÄěFachkr√§ftemangel‚Äú sieht Arbeitsminister Martin Kocher die Besch√§mung von teilzeitarbeitenden Frauen. Damit verkennt er die Empfehlung der OECD, die aufzeigt, dass es einen Ausbau der Kinderbetreuung sowie die gerechte Aufteilung der unbezahlten Care-Arbeit braucht. Der Affront ist ein Beispiel daf√ľr, wie bei der Suche nach Fachkr√§ften an den falschen Schrauben gedreht wird. Durch die einseitige Debatte wird die Chance verpasst, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, etwa durch gute Wiedereinstiegsprogramme f√ľr Langzeitarbeitslose, gesundheits- und altersgerechte Arbeitspl√§tze oder eine gute Work-Life-Balance.

Anstelle von Mutma√üungen dar√ľber, wie Arbeitslose mehr unter Druck gesetzt werden k√∂nnen, sollten Unternehmen zur Selbstreflexion angeregt werden - etwa wenn es um die Entlohnung geht. Erst k√ľrzlich hat eine Umfrage einer Jobplattform aufgezeigt, dass rund die H√§lfte der Unternehmen keine h√∂heren L√∂hne auszahlen will. Gleichzeitig sind immer weniger Betriebe bereit, Lehrlinge auszubilden. Gab es 2010 √ľber 37.500 Lehrbetriebe, so sind es im Jahr 2020 lediglich 28.711. Aber wer gut ausgebildete Fachkr√§fte will, muss auch in deren Ausbildung investieren.

Wer mehr Frauen in den MINT-Bereichen will, muss bedenken, dass auch die Unternehmenskultur eine entscheidende Rolle spielt. Insbesondere f√ľr junge Frauen ist ein Einstieg in ein MINT-Unternehmen wom√∂glich wenig attraktiv, wenn keine weiblichen Vorbilder vorhanden sind oder Mitarbeiterinnen aufgrund ihres Geschlechts schlechter entlohnt werden.

Das darf aber nicht hei√üen, dass klassisch weibliche, und meist eher schlecht bezahlte Berufe mit Fachkr√§ftebedarf keine Aufmerksamkeit brauchen. Denn gerade Pflegerinnen oder Kindergartenp√§dagoginnen leisten wertvolle Arbeit und verdienen deshalb bessere Entlohnung und k√ľrzere Arbeitszeiten. Ebenso m√ľssen Recruiting-Prozesse reflektiert werden, z. B. wenn es darum geht, wer √ľberhaupt f√ľr eine Position infrage kommt. Warum nicht jemanden einstellen, der √§lter ist, aber noch zehn Jahre bis zur Pension hat? Ebenso k√∂nnen interne Nachbesetzungen weiterhelfen und gleichzeitig motivierend wirken. Unternehmen m√ľssen hinterfragen, wieso ihre Bewerbungsprozesse nicht erfolgreich sind oder Besch√§ftigte im Unternehmen unzufrieden sind.

Das Um und Auf, um die Wirtschaft am Laufen zu halten, sind die ArbeitnehmerInnen. Ein hohes Arbeitskr√§ftepotenzial ist in √Ėsterreich zweifellos vorhanden. ArbeitnehmerInnenvertretungen weisen regelm√§√üig darauf hin und schlagen Wege vor, wie dieses genutzt werden kann, ohne den ArbeitnehmerInnen zu schaden. Jetzt, wo die Dringlichkeit auch von Unternehmen unterstrichen wird, w√§re der ideale Zeitpunkt, gemeinsam anzupacken und die richtigen Ma√ünahmen zu setzen.

Miriam Baghdady ist Volkswirtin beim √ĖGB.

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