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Meinung Gastkommentar
02/02/2022

Kommunikation stärkt den Zusammenhalt

Ob „Du+Ich=Österreich“ erfolgreich ist, liegt an uns

Vielfach ist in diesen Tagen von einer Spaltung der Gesellschaft die Rede. Hitzige Diskussionen rund um das Corona-Virus, Verschwörungstheorien und nicht zuletzt die Impfpflicht haben Gräben durch Freundschaften und Familien gezogen – denn die Pandemie ist nicht nur ein belastendes, sondern auch ein hoch emotionales Thema. Unter dem Claim „Du + Ich = Österreich“ haben das Rote Kreuz, die Ärztekammer, die Gesundheitskasse und der ORF kürzlich eine Initiative für Dialog und Zusammenhalt ins Leben gerufen.

Die bundesweite Kampagne umfasst nicht nur Print-Inserate, sondern auch TV- und Radiospots, eine eigene Internet-Plattform und Social Media-Kommunikation.

Doch schafft es eine solche Aktion wirklich, die Menschen in Österreich wieder an einen Tisch zu bringen? In Zeiten, in denen wir uns durch den Einfluss von Algorithmen weitgehend in unseren eigenen Filterblasen bewegen und Standpunkte, die sich von unseren eigenen unterscheiden, mit wenigen Klicks ausblenden können, scheint dies ein schwieriges Unterfangen zu sein.

Kommunikation ist erfolgreich, wenn ein Thema ankommt, berührt, emotional verstanden wird, klare und positive Bilder erzeugt und eine konstruktive Diskussion auslöst. Die Kampagne fokussiert auf eine positive und lösungsorientierte „Hin zu“-Kommunikation. Wir alle sind Menschen. Jung oder alt, Mann oder Frau, mit verschiedenen Berufen, Backgrounds, Standpunkten und Glaubenssätzen. Die Dialoginitiative soll bewirken, dass wir unsere Dialog- und Gesprächskultur auf Basis unserer Gemeinsamkeiten und Unterschiede wieder stärken und dadurch Gräben überwinden. Und genau das könnte funktionieren. Vorausgesetzt wir machen mit. Das Thema Impfen kommt in der Kampagne nicht vor, ist aber auch für die Kernbotschaft irrelevant.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die meisten Menschen dem Appell „Mehr Zusammenhalt“ zustimmen würden. Gemeinsame Werte und Visionen verbinden, das Wir-Gefühl wird gestärkt. Denn die Kampagne argumentiert von der übergeordneten Werte-Ebene aus.

Es geht um das Miteinander und genau dafür holt sich die Kampagne gezielt ein „Ja“ von der Bevölkerung, indem sie auf gemeinsame Werte und Visionen fokussiert, statt auf Konflikte, die derzeit unsere Medien und Communitys dominieren und die Problemwahrnehmung in der Öffentlichkeit verstärken. Lassen wir das nicht zu. Zeigen wir Haltung, Mut zu mehr Gemeinsamkeit und Verantwortung. Für uns und für andere. Sehen wir es als eine Win-Win-Situation. Leisten wir alle einen Beitrag, respektvoll und auf Augenhöhe. Und sehen wir „Du+Ich=Österreich“ als Auslöser, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen – auch wenn wir nicht die gleiche Meinung vertreten.

Das bringt Ruhe in turbulente Zeiten und ist gleichzeitig langfristig der Schlüssel, um gemeinsam gestärkt aus dieser Pandemie herauszukommen.

Eva Mandl ist Geschäftsführerin der PR-Agentur Himmelhoch.

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