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Meinung Gastkommentar
11/10/2021

Impflotto im Burgenland: Hans Peter im Glück?

Es ist schwer zu sagen, was die Impflotterie bringt, weil die Daten dafür schlicht nicht zu bekommen sind.

Hans Peter Doskozil kann sich auf die Schulter klopfen: Das Burgenland weist die höchsten Impfraten in ganz Österreich vor. Um diese noch weiter in die Höhe zu treiben, startete er im September außerdem eine „Impflotterie“: Wer sich impfen lässt, kann nun ein Auto und zahlreiche andere Preise gewinnen.

In den letzten Tagen wurde viel darüber gesprochen, ob es nicht sinnvoll wäre, solche Lotterien auch in anderen Bundesländern anzubieten. Die hohe Impfquote im Burgenland wird als Beleg für ihre Wirksamkeit geführt. Doch ist das wirklich so, und können wir das überhaupt sinnvoll evaluieren? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir auf ausgereiftere Methoden zugreifen als nur simple Quotenvergleiche.

Die Frage, die es eigentlich zu beantworten gilt, ist diese: Wie hätten sich die Impfquoten ohne die Lotterie entwickelt? Das können wir natürlich nicht direkt beobachten, aber wir können es mit statistischen Methoden probieren, eine Art Parallelwelt schaffen – Forscher nennen es „counterfactual“ – und uns diese dann anschauen. Ein oft verwendetes statistisches Verfahren ist die sogenannte „synthetische Kontrolle“, bei der ein „zweites Burgenland“ künstlich konstruiert wird, mit derselben Altersstruktur und weiteren Merkmalen, ganz wie das echte Land eben, aber diesmal ohne Lotterie. Und dann schaut man, wie sich dieses „zweite Burgenland“ entwickelt. Für Österreich hat das bislang noch niemand gemacht. Aber Ergebnisse aus Ohio, wo so eine Lotterie bereits im Sommer stattfand, lassen vermuten, dass ihre Wirksamkeit begrenzt ist. Eine schnelle Berechnung für Österreich, die ich anhand öffentlich verfügbarer Datensätze durchgeführt habe, lässt mich auch eher skeptisch zurück.

Um solche Evaluierungen auch in Österreich so gut wie möglich durchführen zu können, braucht es hochqualitative Daten, und zwar auf persönlicher Ebene. Daten, die auch aus verschiedenen Quellen verknüpft werden können und der Forschung in Österreich aus gesetzlichen Gründen bisher nicht zu Verfügung stehen. Im Fall der Lotterie müsste ich das Impfregister, Regionaldaten und Alter oder Ausbildung der Betroffenen zusammenführen können. In der letzten Woche wurde im Forschungsausschuss eine Änderung des Bundesstatistikgesetzes auf den Weg gebracht, das, wenn es auch im Plenum Zuspruch findet, Forschern solche Zugänge ermöglichen würde. Die österreichische Forschungslandschaft wartet darauf schon seit Jahren.

Doskozils Lotterie aber ist schon deshalb gut, weil man im Burgenland zumindest etwas probiert hat. Die Kosten dafür rechtfertigen jeden Einfluss auf das Impfverhalten, und sei er noch so klein. Außerdem wurden andere Regionen dazu motiviert, sich auch etwas auszudenken. Und im Moment ist fast jede Idee besser als keine Idee. Ein paar Autos kommen uns Steuerzahler jedenfalls deutlich günstiger als ein weiterer Lockdown.

Monika Köppl-Turyna leitet den marktliberalen Thinktank EcoAustria

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