© Eckharter Rainer

Meinung Gastkommentar
11/13/2021

Ein Posten, der keiner ist

Die Festspielpräsidentschaft wäre eigentlich ein Ehrenamt.

32 Bewerber soll es für die ab Jänner vakante Stelle des Präsidenten der Salzburger Festspiele geben. Ein Schweizer Personalberatungsunternehmen sucht die geeigneten Kandidaten aus, denn jene, welche bestimmen, wer von den Schweizern Vorgeschlagenen die Kür schafft, sind offensichtlich dazu nicht imstande.

In der 100-jährigen Geschichte der Festspiele gab es bis zur derzeitigen Präsidentin insgesamt sieben Personen, die dieses ehrenamtlich versahen. Wenn man von der gloriosen Vergangenheit der Salzburger Festspiele spricht, meint man Herbert von Karajan, Gérard Mortier oder … andere.

Wir wissen und wollen auch nicht wissen, wer in der Zeit der jeweiligen künstlerischen Leiter deren Präsident gewesen war. Es war immer eine honorige unbezahlte Tätigkeit, die Person kam immer aus dem Salzburger Umfeld und war der ÖVP nahe.

Die mit Jahresende freiwillig aus dem Amt scheidende Präsidentin wird dann genau so lange – 27 Jahre – das Amt, das keines ist, ausgefüllt haben wie einer ihrer Vorgänger, Baron Heinrich von Puthon. Durch die mediale Zurückhaltung und öffentliche Scheu von zwei Festspielleitern in ihrer Präsidentenzeit – Peter Ruzicka und der derzeit amtierende Markus Hinterhäuser – vermeint man zu Recht weltweit, dass Helga Rabl-Stadler durch ihre Omnipräsenz die Festspiele leitet. Man meint, es sei die Ära Helga Rabl-Stadler.

Muss nichts verstehen

Von Musik oder Theater muss der oder die Gesuchte nichts verstehen, muss weder die Repertoireliteratur, noch das weite Umfeld von Schauspielern, Sängern, Dirigenten u. a. kennen.

Das Akkumulieren von Sponsorengeldern war die erfolgreiche Tätigkeit der Ausscheidenden. Das ist lobenswert, doch dafür benötigt man keine „Präsidentschaft“.

Der frühere Festspielleiter Alexander Pereira hat übrigens selber mehr Sponsorengelder lukriert als seine Präsidentin, und er wollte das Amt, genauso wie Gérard Mortier, schleunigst abschaffen, was aber beiden aus politischen Motiven – wegen der dominierenden ÖVP-Fraktion – nicht gelang.

Weltweit gibt es, ob in Opernhäuser oder bei Festspiele von der Wiener Staatsoper bis zu den Festspielen in Glyndebourne, Aix-en-Provence, Bayreuth bis Mörbisch (wo es sogar zwei konkurrierende Leiter gibt) keinen Präsidenten über, neben oder unter der künstlerischen Leitung.

Die Salzburger Festspiele befinden sich zwar, wenn auch nur am Rande, im Land der Seligen, doch man sollte auch hier zur weltweiten Normalität übergehen, indem man wohl jemanden für die Akquisition von Sponsorengeldern engagiert, doch das entbehrliche und auch noch teuer bezahlte Präsidentenamt, das keines ist, abschafft.

Ioan Holender war von 1992 bis 2010 Direktor der Wiener Staatsoper.

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