© Dejmek

Meinung Gastkommentar
06/29/2021

Ein Aufschrei in Europa nach mehr Freiheit bewegt die Gemüter

Abtreibungen als Menschenrecht im EU-Parlament behandelt

Der Matic-Bericht wurde vergangene Woche im Europäischen Parlament befürwortet. Unter anderem wurde darüber abgestimmt, ob Abtreibung als Menschenrecht und die Gewissensfreiheit des medizinischen Personals bei der Durchführung derselben beiseitegeschoben und im Falle der Weigerung geahndet werden soll. Die Liste der Forderungen ist aber groß und tief greifend die damit verbundenen Auswirkungen. Was will also dieser Matic-Bericht? Die Gleichstellung Andersdenkender und -Lebender in Europa, mehr Frauenrechte etablieren oder vielleicht doch ein bisschen mehr?

Eines steht jedenfalls fest: der „abgesegnete“ Matic-Bericht hat es in sich. Entscheidend scheint hier, dass Vor- und Nachteile, Hintergründe und Auswirkungen der angesprochenen Maßnahmen auf alle betroffenen Zielgruppen und deren Grundrechte genauer unter die Lupe genommen werden sollten. Nehmen wir zum Beispiel die Forderung nach „Abtreibung als Menschenrecht“ her: Hier wird unterstellt, dass Frauen prinzipiell nicht selbstbestimmt sind und nicht über ihren eigenen Körper entscheiden können.

Was der Matic-Bericht jedoch nicht ausreichend artikuliert, ist, dass Frauen in Europa – anders als in vielen anderen Kulturen und Ländern unserer Erde – auf unserem Kontinent weitgehend eigenverantwortlich agieren können, dass z. B. in Österreich Abtreibung sehr wohl bereits innerhalb der Fristenlösung gesetzlich straffrei möglich ist und dass es sehr gute Alternativen zu einem Schwangerschaftsabbruch und eine kompetente Unterstützung für Frauen in prekären Situationen gibt.

Nicht wenige Frauen leiden nach einer Abtreibung am sogenannten Post-Abortion-Syndrom (PAS) – begleitet von Depressionen, Selbstmordgedanken, Schuldgefühlen, Trauer, Ärger und/oder Scham. Hier bedarf es einer eingehenden und ausführlichen Beratung von betroffenen Frauen in derartigen Krisensituationen, anstatt unwiderruflich eine scheinbar einfache Instantlösung als das Allheilmittel anzubieten. Und was ist eigentlich mit den ungeborenen Menschen? Sind sie etwa weniger schützenswert als wir Frauen? Schwer nachvollziehbar ist im Matic-Bericht auch, dass Ärzte und medizinisches Personal entgegen ihres Gewissens oder ihres Berufsethos in Zukunft eine Abtreibung unterstützen müssen. Ist dies etwa vereinbar mit den Werten der (Gewissens)Freiheit und Würde des Einzelnen in Europa? Müssen zudem alle Bürgerinnen und Bürger eines Staates dazu verpflichtet werden, einen „wesentlichen Gesundheitsdienst“ finanziell mitzutragen, den sie vielleicht aus ethischen oder moralischen Gründen nicht gutheißen können?

Der Matic-Bericht scheint einiges aufzuwerfen, lässt Essenzielles unbeantwortet und erweckt klar den Eindruck, nicht alle Perspektiven und Grundrechte aller betroffenen Zielgruppen in Betracht gezogen zu haben. Zu hoffen ist, dass die Vernunft siegt und in den einzelnen Mitgliedsstaaten nicht über Bord geworfen wird.

Suha Dejmek-Khalil ist systemischer Coach und Unternehmensberaterin.

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