© Gerald Kührer

Meinung Gastkommentar
01/12/2022

Der IT-Branche mangelt es an Gleichberechtigung

Der Fachkräfte-Mangel erfordert neue Wege

Rund 24.000 IT-Fachkräfte fehlen bereits heute, Tendenz steigend. Dass bei einer hohen, nicht deckbaren Nachfrage die Gehälter dementsprechend in die Höhe schnellen, ist eine logische Konsequenz. Die Ursache ist unter anderem das unzureichende Ausbildungsangebot.

Klassische, akademische Studiengänge werden den Bedarf allein niemals decken können. Die Ausbildung dauert zu lange, wodurch die erlernten Digital Skills zum Zeitpunkt der Promovierung meist schon veraltet sind. Bootcamps wiederum sind verhältnismäßig zu kurz und beleuchten Technologien nur oberflächlich. Hinzu kommt der fehlende Praxisbezug, der für einen Jobeinstieg nach einer zusätzlichen Einarbeitungszeit verlangt. Dies kostet die Unternehmen zusätzlich Zeit, Geld und Nerven.

Der IT-Profi-Suche muss mit einem alternativen Ausbildungsangebot entschieden begegnet werden, das vor allem für alle Interessierten frei zugänglich sein muss. Viele dringend benötigte Talente fallen im Vorhinein durch das Raster, weil ein klassisches Studium nicht ihren Lernbedürfnissen entspricht. Neue Ansätze müssen her; Talente ohne Wenn und Aber gefördert werden. Modelle wie individuelles Mentoring oder „Flipped Classroom“ können zum Beispiel Abhilfe schaffen: Die Studierenden wählen ihre Lerngeschwindigkeit selbst, arbeiten selbstständig an Projekten und schließen mit einer breiten Palette an geforderten digitalen Fähigkeiten ihre Ausbildung ab. Frontalunterricht ist längst nicht mehr zeitgemäß. Es ist wichtig, dass die Profis von Morgen nicht nur Hardskills, sondern auch Softskills erwerben, die es ihnen ermöglichen sich selbstständig weiterzubilden und sich laufend neue up to date Digital Skills beizubringen.

Neben dem passenden Bildungsangebot scheitern viele an finanziellen Barrieren und unfairen Startbedingungen. Die Möglichkeit auf die gewünschte Ausbildung müsste schon längst für alle Gruppen zugänglich sein; unabhängig von Geschlecht oder sozialer und ökonomischer Herkunft. Interessierte gäbe es genug, um der hohen Nachfrage gerecht zu werden. Man müsste sie nur lassen. Männer haben gegenüber Frauen immer noch eine größere Chance, eine erfolgreiche IT-Karriere zu starten. Dafür gibt es aber keinen plausiblen Grund! In ihren Anfängen waren viele Frauen federführend in der IT tätig. Mit dem schnell ansteigenden Erfolg schlug dies ins Gegenteil um. Heute ziehen viele Frauen eine Karriere als Programmiererin oder Coderin kaum in Betracht. Die Hemmschwelle ist zu groß: Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen, trauen sich viele schlicht und einfach zu wenig zu. So gehen weitere potenzielle Profis verloren. Die sonst so fortschrittliche IT-Welt steht sich selbst im Weg. Hier muss aktiv mit Förderprogrammen eingegriffen werden, um die digitale Zukunft zu sichern und das Suchen nach Talenten in das Finden von Lösungen umzuwandeln.

Sigrid Hantusch-Taferner ist Country Managerin bei Codecool Österreich.

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