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Meinung Gastkommentar
07/28/2021

Bildung ist ein dringender Fall für Innovation

Das System orientiert sich nur am Mittelmaß

Ein anstrengendes Coronaschuljahr ist in die Ferien gegangen. Eine große Unbekannte bleibt jedoch wie viele Schulen das Coronajahr wirklich als Innovationsschub genützt haben. Denn die soziale Schere hat sich weiter geöffnet und auch um das Wohlbefinden steht es mäßig gut. In einer aktuellen Uni Wien Erhebung stimmen lediglich 25 Prozent der Schüler der Aussage „Ich fühle mich gut“ zu.

Corona hat gezeigt, wie sehr Kinder von einzelnen engagierten Pädagogen abhängig sind. Doch ob jemand in unserem Schulsystem einen motivierten Lehrer hat, der inspiriert, beziehungsfähig ist und leidenschaftlich für sein Fach brennt, ist über weite Strecken Zufall oder abhängig von der Geldbörse.

Unser Bildungssystem orientiert sich seit Jahrzehnten am Mittelmaß. Die Systembedingungen werden in einer Umfrage bei 1.200 Schüler, Lehrer und Eltern lediglich durchschnittlich bewertet. Vor allem IT-Ausstattung und Arbeitsplätze an Schulen sind für die Befragten des Österreichischen Bildungsklima-Index Großbaustellen. Eigentlich Hygienefaktoren, die 2021 nicht das Top Thema sein sollten.

Höchste Priorität für Schüler sind motivierte und kompetente Pädagogen. Lehrer, die 21st Century-Skills wie Teamarbeit, Umgang mit Geld oder Wissen zur Bekämpfung von Klimawandel vermitteln können. Doch diese Pädagogen sind selten. Das liegt auch am Selbstverständnis und der Professionshaltung. Während 80 Prozent der Eltern und Schüler in der Arbeit der Pädagogen einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft sehen, geben nur 6 Prozent der Pädagogen an, das ihr Beitrag von der Gesellschaft anerkannt wird. Wie schaffen wir ein Schulsystem mit Top-Lehrern, die nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel sind?

Neben IT und Arbeitsplatz wären Motivatoren wie die Durchlässigkeit des Lehrerberufs ein Ansatz. Nicht jeder Lehramtsanwärter möchte seine ganze Berufslaufbahn in derselben Position verbringen. Möglichkeiten für Aufstiegs-, Ausstiegs- und Wiedereinstiegsmöglichkeiten, wie beispielsweise in Singapur üblich, wären wichtige Innovationsimpulse. Es braucht dabei auch den Mut, sich von einer Handvoll ungeeigneter Lehrkräfte zu trennen. Jeder kennt solche Wanderpokale. Der Pädagoge der Zukunft ist kein Einzelkämpfer mit 50-Minuten Fächertrichter und standardisierter Outputkontrolle.

Wir brauchen eine Kultur, in der sich Lehrer als starke Teamplayer sehen, Initiative ergreifen und Neues probieren. Setzen wir motivierte Pädagogen und beste Rahmenbedingungen dafür im Herbst ganz oben auf die Agenda. Nicht nur als Forderung an die Politik, sondern an jeder Schule.

Fragen wir, was sie brauchen. Heben wir die Pädagogen des Landes auf die Bühne. Sie haben nämlich den wichtigsten Job unserer Republik.

Andreas Lechner ist Generalsekretär der MEGA Bildungsstiftung.

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