Meinung | Fußball-WM
12.06.2018

Ausgefuchst: Die Fieberkurve steigt auch für meine Mitspieler

Ab morgen darf ich für meine acht Leicester-Kollegen endlich die Daumen drücken.

Die Premier League ist die beste Liga der Welt. 123 WM-Spieler verdienen in England ihr Geld, so viele wie in keinem anderen Land. 16 Spieler kommen von Manchester City, dem Meister. Leicester wurde Neunter, und immerhin acht meiner Kollegen sind in Russland dabei. Wobei sich Riyad Mahrez, einer unserer besten Spieler, mit Algerien gar nicht qualifiziert hat. Auch Daniel Amartey hat es mit Ghana nicht geschafft.

England, Japan, Dänemark, Portugal, Nigeria und Tunesien. Acht Spieler in sechs Nationalmannschaften – wie viele andere Klubs in der Premier League sind auch wir bei Leicester eine Weltauswahl, in den nächsten Wochen eine WM-Auswahl.

Jamie Vardy und Harry Maguire sind meine zwei Kollegen, die für England auflaufen werden. Aber dazu mehr vor dem ersten Spiel der Engländer.

Shinji Okazaki sitzt oft lange im Flugzeug, wenn er zum Team reist. Aber das müssen die Klubs wissen, wenn sie einen Japaner holen. Shinji ist ein wirklich netter Typ, hatte zuletzt Pech mit Verletzungen, aber jetzt passt wieder alles. Shinji kann man immer ins Spiel bringen, er ist ein Arbeiter und gibt alles. Er ist ja auch im Team ein verdienter Spieler, hat mit 32 Jahren und 112 Teamspielen mit 50 Toren ordentlich Routine.

Kasper Schmeichel ist im Tor der Dänen unumstritten. Er ist ein spezieller Typ, wie es eben so viele Tormänner sind. Er war zuletzt ein bisschen verletzt, das erste Mal in den drei Jahren in denen ich in Leicester bin. Er ist ja auch schon Jahrgang 1986 – so wie ich. Als ihn sein Vater Peter das erste Mal besucht hat, war es etwas Besonderes für mich. Ich konnte ein Fußballidol meiner Jugend treffen. Aber Vater und Sohn haben keine Allüren. Und Kasper leidet nicht unter dem großen Schatten, wird bald bei einem der ganz großen englischen Klubs spielen.

Adrien Silva hat eine ganz spezielle Saison hinter sich. Weil er 14 Sekunden nach Ende der Transferzeit angemeldet worden ist, hat er im Herbst nicht spielen dürfen. Er hat Angst gehabt, dass wegen 14 Sekunden seine WM-Chancen dahin sind. Als er im Frühjahr bei uns wieder spielen durfte, war er voll da. Er ist voll fit und kann den Portugiesen helfen.

Wilfred Ndidi ist unglaublich gut für sein Alter und ist bei Nigeria schon Stammspieler. Er ist erst 21, und wurde von unseren Fans zum zweiten Mal hintereinander zum besten jungen Spieler der Saison gewählt.

Kelechi Iheanacho spielt auch im nigerianischen Team. Er ist ebenfalls erst 21 Jahre, hat aber bei uns eine längere Anlaufzeit gebraucht als Wilfred. Im Nationalteam hat er in 15 Spielen schon acht Mal getroffen.

Yohan Benalouane hat eine ganz besondere Geschichte. Als Innenverteidiger ist er bei uns nur die Nummer vier, hat einen schweren Stand. Aber über Einsätze im U-23-Team und im Pokal hat er es doch noch in das tunesische Team geschafft. Mit knapp 31 Jahren hat er im März in den Testspielen gegen Iran und Costa Rica seine ersten beiden Länderspiele gemacht.

Christian Fuchs (32) war Teamkapitän und beendete im Sommer 2016 nach 78 Spielen seine Teamkarriere.
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