Meinung | Fußball-WM
03.07.2018

Anstoß: Mit Neymar hat die WM in Zukunft nur einen Superstar

Für Messi und Ronaldo war Russland wohl die letzte WM. Nun ist Platz für Nachfolger in der Kategorie Superstars.

Das Prädikat „Beste WM aller Zeiten“ wird an diese Endrunde nicht vergeben werden. Aber sie wird wohl als WM der Endspiele in die Geschichte eingehen, als die WM der leisen Abgänge einiger großer Spieler. Als WM des Generationswechsels in der Sparte Superstar. Irgendwann muss Schluss sein, irgendwann spielt der Körper nicht mehr mit, wird der Kopf langsam und der Spaß am Spiel geht verloren. Irgendwann fordert auch der Körper seinen Tribut, wenn es alle zwei Jahre im Sommer nur ein paar Tage Urlaub gibt. Lionel Messi und Cristiano Ronaldo haben sich schon im Achtelfinale verabschiedet. Dass Messi und Ronaldo in Katar noch spielen werden, darf bezweifelt werden.

Diese WM ist das Ende eines goldenen Jahrzehnts. Seit 2008 teilen sich die beiden den Titel des Weltfußballers. 2007 war der Brasilianer Kaká der Letzte, dem diese Ehre zuteil wurde, ohne dass er Ronaldo oder Messi geheißen hätte. Die beiden waren aber schon auf den Plätzen hinter Kaká. Das letzte Jahr, in dem keiner der beiden unter den Top drei war, war 2006 – damals wurde ein Verteidiger Weltfußballer, Italiens Weltmeister Fabio Cannavaro.

Lionel Messi ist bei den Novemberspielen 2022 in Katar schon 35 Jahre alt. Aber wie wird er den neuerlichen Rückschlag verkraften? Der Argentinier ist ja schon nach der letzten Finalniederlage bei der Copa América aus dem Nationalteam zurückgetreten.

Vier Jahre bis Katar

Cristiano Ronaldo wird mehr als ein halbes Jahr vor der Endrunde 2022 seinen 37. Geburtstag feiern. Nachdem er mit Portugal vor zwei Jahren den ersten großen Titel geholt hat, scheiterte der Europameister auf dem Weg zur erhofften Krönung schon früh.

Mit Andrés Iniesta tritt ein weiterer Großer ab. Der Spanier erzielte vor acht Jahren den entscheidenden Treffer im WM-Finale und war zuvor mit dem FC Barcelona Champions-League-Sieger geworden. Eigentlich hätte er Weltfußballer werden müssen. Doch der bleiche Andrés hat halt keinen Kultcharakter. Liebhabern des gepflegten Fußballs wird er aber abgehen. Der schwedische Teamchef hat mit Zlatan Ibrahimovic einen in die (36) Jahre gekommenen Superstar gar nicht mehr mitgenommen. In der Relegation zur WM haben die Schweden auch schon einen letzten großen Auftritt des Italieners Gianluigi Buffon verhindert. Und in der Quali-Gruppenphase hatte Arjen Robben seinen letzten WM-Traum mit den Niederlanden gegen die Schweden ausgeträumt.

 Messi und Ronaldo werden die größte Lücke hinterlassen. Schon bei dieser WM kann der eine oder andere anfangen, sein Ego dort einzuparken. Aber es wird nicht leicht in diesen lichten Höhen. Nur wenige haben das Zeug zum globalen Superstar.

Der Ronaldo-Nachfolger ist schon da und der Konkurrent des Portugiesen als Reibebaum: Der Brasilianer Neymar ist unumstritten der Umstrittenste unter den verbliebenen Topstars. Messi-Nachfolger als bescheidener, sportlich aber unangreifbarer Superstar könnte Kylian Mbappé werden. Der 19-jährige Franzose von Paris St-Germain muss dann nur noch einen Klub finden, mit dem er tatsächlich Titel hamstern kann.