Meinung
02.05.2018

Für Neunjährige wird der Schulalltag härter

Die Angst der Eltern, dass ihr Kind keinen AHS-Platz bekommt, wird größer. Nicht überraschend, aber klug?

Wir haben ein duales Bildungssystem, in dem Kinder nach vier Jahren Volksschule entweder in eine Neue Mittelschule (NMS) oder eine Allgemein Bildende Höhere Schule (AHS), vulgo Gymnasium, gehen. Die Bildungsweg-Entscheidung basiert theoretisch auf den Volksschulleistungen. Tatsächlich gibt es enorme Unterschiede zwischen Stadt und Land, in Wien wechselt fast jeder zweite Volksschüler in eine AHS, bundesweit nur jeder Dritte, im Vorarlberg nicht einmal jeder Vierte. Das liegt natürlich nicht daran, dass die Wiener Kinder klüger sind. Vielmehr versuchen Eltern, sofern sie sich für die Bildung ihres Kindes überhaupt interessieren, alles, um diesem einen AHS-Platz zu sichern. Notfalls mit Drohungen und Rechtsanwälten. Das liegt an der Angst in Städten, ohne eine AHS sei der Weg für ein schönes Leben verbaut. Noch mehr aber daran, dass etwa in Wien drei Viertel der NMS-Schüler als Umgangssprache nicht Deutsch haben.

Leistung in der Schule einzufordern ist richtig und wichtig. Aber schon bei Neunjährigen? Wäre da ein gemeinsamer Bildungsweg bis 14 Jahre, wie das die Wissenschaft empfiehlt, nicht klüger? Zugegeben, diese Diskussion ist müßig. ÖVP und FPÖ haben sich klar für den Erhalt der Gymnasien ausgesprochen und wurden auch dafür gewählt. Kein Wunder also auch, dass Faßmann an der frühen Trennung festhält. Unterm Strich heißt das aber, dass lernschwache Kinder in den ersten Schuljahren noch weniger zu lachen haben werden. Bereits jetzt gibt es Nachhilfe für Volksschüler, das wird in den Städten wohl mehr werden. Rettung wäre da nur, wenn Faßmanns Reform der NMS (Leistungsgruppen!) so gut greift, dass die Angst vor „nur“ einem NMS-Platz unbegründet wird.

bernhard.gaul@Bernhard_Gaul