Romantisch. Oder?

© Boroviczeny

Der Anfang einer Liebe ist schön, aber auch schön anstrengend.
03/17/2013

Frühling wird’s ...

Doch was, wenn die Liebe nicht mehr ganz so frisch ist?

über Frühlingsgefühle

| Der Anfang einer Liebe ist schön, aber auch schön anstrengend.

Sie

Alle reden von Frühlingsgefühlen. Man harrt der Brunft. Dem Händchenhalten. Dem ersten Kuss. Worauf wartet der Mann nebenan? Auf die Eröffnung des Schweizerhauses. Wenn Stelzen und Zapfbier die Herzkammern dominieren, wird klar: Da machen sich’s zwei im Spätsommer der Liebe gemütlich. Irgendwie praktisch – da muss man sich als potenzielles Lockvögelchen nicht mehr Gedanken machen, ob das frivole Frühlingskleid eh noch sitzt. Stattdessen hocken wir beieinander und überlegen, ob wir uns eine neue Holzterrasse oder lieber einen frischen Rasen leisten sollen. Womit wir bei der Liebesfrage des Monats gelandet wären: Wie viel Spätsommer (und allenfalls Herbst) verträgt eine Ehe?

Arbeitsplatzsicherung

Also, ich find das super. Ich find’s super, dass ich keinen Herzstillstand mehr bekomme, wenn er einen Tag lang keine SMS mit Sehnsuchtsbekundungen schickt. Und umgekehrt: Ich ihm nicht mehr in 15 Depeschen pro Minute vorschwärmen muss, wie fantastisch, witzig und geil er nicht sei (das erledigen die Anonymen Leserbriefschreiberinnen übrigens eh für mich). Der Anfang einer Liebe ist schön, aber auch schön anstrengend. Er kostet Nerven und Kraft, die ich nicht habe. Meine Arbeit würde vernachlässigt – der Stabilitätspakt mit dem Mann nebenan sichert also meinen Job. Außerdem weiß ich, was ich an ihm hab’ (was ja bei einem Neuen immer ein Nervenzerfetz-Faktor ist: geht sich’s aus oder doch nicht?). Ich weiß, dass er keine Elektroleitung verlegen kann, aber ich weiß auch, dass mir das wurscht ist. Dafür bringt er mich zum Lachen und kocht mir Gemüsesuppe, wenn ich krank bin, obwohl ihm vor Gemüsesuppe eher graust. So betrachtet, ist der Spätsommer der Liebe wie ein spätsommerlich-stabiles Hoch: nicht mehr so heiß, aber golden. Und fürs Donnerwetter zwischendurch gibt’s eh den Rettungsschirm.

Twitter: @gabrielekuhn

Er

Frühling ist, wenn eine Schar von Vöglein statt der Krähen den Morgenton angibt; wenn die Sonne endlich auf die vor vielen Wochen aufgegebene Vermisstenanzeige reagiert; wenn Grün nicht mehr die Farbe der Hoffnung, sondern jene der Realität ist.

Frühling ist aber auch, wenn auf Facebook das große Wettrennen beginnt, wer die allerschönsten Primelkrokusbärlauchfotos postet; wenn die Großmärkte mit „Ihr Gärtnerlein kommet, so kommet doch all“ zur höllischen Saisonauftaktparty laden; oder wenn der Osterhase aus den Supermarkt-Regalen grinst, obwohl die Wetterlage eher auf ein Weihnachts-Revival schließen lässt.

Und: Frühling ist natürlich, wenn die berüchtigten

Blicke entstehen. Da wäre z. B. der klassische Uiuiui-im-Garten-ist-Schwerarbeit-angesagt-Blick. Oder der subtile Spaziergehen-wann-wenn-nicht-jetzt-Blick. Bis hin zum dauerhaften Also-pack’-ma’s-wurscht-was-Blick. Ich verzichte auf die Erklärung, wer alljährlich um diese Zeit den Begriff Entschlossenheit neu definiert. Was ich hingegen sehr wohl verraten kann, ist: Manchmal gelingt es mir, den Blicken standzuhalten oder gar auszuweichen. Das sind dann auch irgendwie schöne Frühlingsgefühle.

Humornotwendigkeit

Das war einst, im Frühling unserer Beziehung, ganz anders. Da sind wir im März schon auch neckisch kichernd durch die Innenstadt und ihre Lokale gestreift. Oder durch den Tann. Heute ist das Neckische kein Must-Have mehr, egal, zu welcher Jahreszeit. Aber: Das Kichern ist geblieben. Das Lachen – über den anderen und über sich, über die anderen und über uns, das haben wir uns erhalten. Den Humor, von feinsinnig bis plump, den haben wir gemeinsam, akribisch, liebevoll gepflegt. Und eine gute Ehe braucht verdammt viel Humor ... mehr dazu, wenn demnächst die Gartenarbeit beginnt.

Twitter: @MHufnagl

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