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Meinung
09/14/2020

Finanzwissen: Besser spät als nie. Inflation kennt keine Gnade

Der beste Zeitpunkt, den Schülern mehr Finanzwissen beizubringen, war vor 40 Jahren. Der zweitbeste ist jetzt.

Nun ist es endlich soweit: Finanzwissen soll fest in die Lehrpläne verankert werden. Dass es um das Finanzwissen des Durchschnittsösterreichers sehr schlecht bestellt ist, wissen wir allerdings auch nicht erst seit gestern.

Jeder Zweite weiß nicht, was Zinsen sind. Das ist erschreckend. Und sorgt für eine gewaltige Schieflage. Wer nichts weiß, muss alles glauben. Zum Beispiel, dass Sparbücher im Jahr 2020 noch eine vernünftige Geldanlage darstellen. Mehr als 260 Milliarden Euro haben die Österreicher auf solchen Konten gebunkert, wo sie langsam dahinschmelzen. Nicht mal jeder Zehnte besitzt Aktien. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld bei boomenden Aktienmärkten lassen die Österreicher somit nicht nur Unmengen an Erträgen liegen, sie verlieren auf ihren Sparbüchern sogar Geld, denn die Inflation kennt keine Gnade.

Genau ein solches Verhalten soll durch mehr Wissen verhindert werden. Gerade jetzt, wo die Einführung von Vermögenssteuern wieder debattiert wird, kommen die Ideen zur Stärkung der Financial Literacy zum richtigen Zeitpunkt. Denn Vermögenssteuern ändern vielleicht etwas an der Vermögensverteilung im jetzigen Moment.

Aber sie führen zu keiner nachhaltigen Verbesserung, sondern fördern die Neidgesellschaft und einen Kampf zwischen den einzelnen Schichten.

Die Vermittlung von Finanzwissen bietet viel mehr als erzwungene Transfers von Reich zu Arm es jemals könnten: Sie gibt Österreichern die notwendigen Werkzeuge in die Hand, um sich selbst Vermögen aufzubauen.

Dabei geht es nicht darum, dass jeder blind sein Erspartes in hochriskante Vermögensanlagen investiert. Im Gegenteil. Es geht darum, informierte Entscheidungen zu treffen. Beim Sparen und Anlegen, bei Hausbau, Krediten, Miete und Versicherungen. Überall dort, wo eine Info-Schieflage zuungunsten des Kunden versteht.

Diese informierten Entscheidungen trifft man aber nicht, wenn Finanzwissen ausschließlich im Frontalunterricht vermittelt wird. Zu Financial Literacy gehört auch, verantwortungs-bewusstes Verhalten im Umgang mit Geld zu lernen.

Das passiert nicht erst in der Jugend, sondern bereits viel früher. Manche Kinder haben das Glück, dieses Verhalten bereits unterbewusst durch ihre Eltern zu erlernen. Andere wiederum sollten die Möglichkeit haben, es durch das Bildungssystem vermittelt zu bekommen.

Ein ausgeklügeltes Programm zur Stärkung der Financial Literacy sollte bereits spielerisch in Kindergarten und Volksschule beginnen und sich durch die gesamte Schulbahn ziehen. Denn gerade, wenn man bereits früh einen Lehrberuf erlernt und Geld verdient, ist es wichtig, dass die Financial Literacy bereits gefestigt ist. Dass Financial Literacy nun endlich in die Lehrpläne Einzug halten soll, ist ein klassischer Fall von „besser spät als nie“. Unsere Welt wird nicht gerade einfacher. Verantwortungsvoller Umgang mit Geld ist notwendig, um nachhaltig Vermögen aufzubauen. Somit bleibt zu hoffen, dass sich die Finanzmarkt-skeptischen Österreicher langsam doch dazu durchringen werden, am Vermögensaufbau teilzunehmen.

Heike Lehner studierte Volkswirtschaft an der Universität St. Gallen und ist Ökonomin beim liberalen Thinktank Agenda Austria.

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