Meinung
12.01.2018

Fastenwochen

Der Mercedes im Diäten-Quartett sind Fastenwochen.

Der Mercedes im Diäten-Quartett sind Fastenwochen.

Mag. Simone Hoepke | über Fastenwochen

Zwei Mal war ich heuer schon im Fitnesscenter.

Hat genau nichts gebracht. Weil ich mit meiner Yogamatte nicht mehr in den Yoga-Raum gepasst habe. Hoffnungslos überfüllt. Lauter Menschen in fabriksneuen, atmungsaktiven T-Shirts und Sporthosen, auf denen noch das Preisschild baumelt. Geeint durch den Neujahrsvorsatz, mehr Sport zu treiben.

Wer nicht im Fitnessstudio das Leben einer Ölsardine nachstellt, studiert nach Silvester Diät-Tipps. Die Ausrede, dass die Magazine um neue Wunder-Diäten verlegen sind, kann man sich ja gleich einmargerieren.

Mein aktuelles Lieblingsversprechen: "Drei Tage ohne Fleisch = drei Kilo weniger." Man mag sich nicht ausdenken, wie viel am Monatsende vom Arbeitskollegen übrig sein wird, der vegan ins neue Jahr gestartet ist.

Durch schlichten Fleisch-Verzicht zur Modelfigur – das ist den meisten eh zu fad. Deswegen denken sich Experten Spielvarianten aus. Sprücheklopfen zum Beispiel. Am besten vor dem Spiegel. Mindestens drei Mal täglich davor stellen, sich selbst in die Augen schauen, Dinge wie "Ich schaffe das" sagen. Damit übersteht man jede Detox-Diät. Angeblich.

Der Mercedes im Diät-Quartett sind Fastenwochen. Also Urlaube, in denen man viel Geld zahlt, um morgens, mittags und abends vor einem leeren Teller zu sitzen. Dafür gibt es ab und zu einen Einlauf. Klingt so sexy wie ein Fettfleck auf dem Cashmerepulli. Meine Freundin betont dagegen, dass man sich danach wie neugeboren fühlt.

Also gut.

Überredet.

Ich fahr mit.

Wie ich jetzt weiß, gibt es Fastenwochen für jede Lebenslage. Für Sitzengelassene und frisch Pensionierte ("Neuanfang"), für angehende Yogis, Hobby-Maler und für jene, die glauben, dass sie große Literaten sind, aber bisher noch nicht dazu gekommen sind ("kreatives Schreiben").

Ich will Ruhe ("Stille"). Gibt’s nicht. Ausgebucht! Kleinstes Übel ist die Variante "Fasten&Wandern". Mit einer Horde grantiger Menschen, deren Mägen knurren wie wilde Tiere.

Den Neujahrsvorsatz "Neues ausprobieren" muss ich noch mal überdenken.