Meinung 06.03.2018

Es gibt nur eine gemeinsame Geschichte

Die Politik arbeitet sich wieder an unserer Geschichte ab. Gut, aber das sollte zu mehr Gemeinsamkeit führen.

So können wir unsere Geschichte immer wieder neu erforschen und im Idealfall auch daraus lernen.

Dr. Helmut Brandstätter | über Gedenktage

Sind wir doch dankbar für jeden Gedenktag. So können wir unsere Geschichte immer wieder neu erforschen und im Idealfall auch daraus lernen. Das Jahr 2018 bietet viele Gelegenheiten: Wir sehen uns wieder genau an, warum die kleine Republik Deutsch-Österreich im Jahr 1918 so gar keine Chance hatte, vor allem aber, warum der Hass der verschiedenen politischen Gruppen in den darauf folgenden Jahren so groß wurde, dass sich Österreich 20 Jahre später, im März 1938, gegen das Nazi-Reich nicht mehr wehren konnte. Dazwischen lag der 4. März 1933, an dem der Nationalrat sich nicht "selbst ausgeschaltet" hatte, wie die damalige Propaganda es wollte, sondern wo Bundeskanzler Engelbert Dollfuß eine Geschäftsordnungskrise zum Anlass nahm, um einen weiteren Schritt in eine schon geplante Diktatur zu machen.

Bis hierher würden wahrscheinlich alle Parteihistoriker folgen. Doch spätestens an dieser Stelle sprechen die einen von "Austrofaschismus", die anderen von "autoritärem Staat". Und die Ermordung von Dollfuß am 25. Juli 1934 durch illegale Nazis läuft bei manchen noch als "angeblicher Juliputsch".

Kein Wunder, dass in Österreich, wo alles nach den Farben Schwarz (Türkis) und Rot geordnet ist und jetzt die FPÖ als Regierungspartei auch ihren Anteil am Staat und dessen Geschichte will, drei Historiker im Parlament diskutierten, die auch irgendwie zuordenbar sind.

Man muss kein Historiker sein, um zu wissen, dass die bewaffnete Unversöhnlichkeit unser Land vor 80 Jahren in den Untergang geführt hat. Schon der Gedanke, andere Gruppierungen könnten endgültig besiegt werden, ist der Anfang vom Ende der Demokratie.

( kurier.at ) Erstellt am 06.03.2018