SPÖ Wien: Erfolg zu Kopf gestiegen

SPÖ Wien: Erfolg zu Kopf gestiegen
Die Herablassung, mit der die Spitze der SPÖ Wien Gegner des Lobautunnels behandelt, könnte sich noch rächen.
Josef Gebhard

Josef Gebhard

Wer am lautesten ist, muss nicht unbedingt die Mehrheit hinter sich haben. Diese alte Weisheit zeigte sich einmal mehr beim Landesparteitag der Wiener SPÖ. Durch den wortgewaltigen Aufstand der Parteijugend gegen das SPÖ-Prestigeprojekt Nordostumfahrung erhielt die zunächst gemächlich dahindümpelnde Routine-Veranstaltung doch noch an Brisanz.

Das Nein zu Lobautunnel und Stadtstraße ist freilich innerhalb der Wiener SPÖ nach wie vor ein absolutes Nischenprogramm. Das zeigte sich spätestens, als die Anträge der Tunnelgegner sang- und klanglos von der überwältigenden Mehrheit der Delegierten abgeschmettert wurden. Dabei argumentierten manche der Gegner durchaus durchdacht, indem sie die Widersprüchlichkeiten in der roten Verkehrs- und Umweltpolitik aufzeigten.

Plump hingegen die Verteidigungslinie der Tunnel-Befürworter – zwischen Totschläger-Argumenten (die Umfahrung sei gut, weil der Parteichef sie will) und derber Verächtlichmachung der Tunnel-Gegner als „Häuseln“. Letzteres die Wortwahl des Donaustädter Bezirksvorstehers Ernst Nevrivy.

Es scheint fast, der Parteispitze sind jüngsten Erfolge etwas zu Kopf gestiegen. Mit Herablassung auf abweichende Meinungen zu reagieren, kann sich aber schnell rächen. Gerade die SPÖ müsste das wissen. Siehe Hainburg, siehe Zwentendorf.

SPÖ Wien: Erfolg zu Kopf gestiegen

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