Meinung
24.11.2017

Ein- und Ausbrüche

Meine Freundin Andrea hält sich für den geborenen Einbrecher.

Meine Freundin Andrea hält sich für den geborenen Einbrecher.

Mag. Simone Hoepke | über Ein- und Ausbrüche

Meine Freundin Andrea hält sich für den geborenen Einbrecher, seit sie in der Zeitung gelesen hat, dass diese eher faul sind und gern auf Nummer sicher gehen. Trotzdem wird sie nicht umsatteln. Dass für die Studie nur Diebe befragt wurden, die hinter Gittern sitzen, macht sie doch stutzig. Einst wollte sie bei der Kripo anheuern, weil sie so gerne Leute ausfragt. Ist dran gescheitert, dass sie zu faul war, sich zu bewerben und schon einen sicheren Job hatte.

Bei Einbrechern kann ich mitreden. Bin einem Aug’ in Aug’ gegenübergestanden. Getrennt nur durch die Wohnungstür. Damals, als Erstsemestrige in Wien. Dauernd hatte es vormittags um halb elf an der Haustür geläutet. Aus Studentensicht also mitten in der Nacht. Die Leute, bei denen ich zur Untermiete gewohnt habe, haben gesagt, dass das die GIS-Typen sind. Nicht aufmachen!

Es hat wieder geläutet. Ich stell mich tot. Es raschelt vor der Wohnungstür. Ich schau durchs Guckloch. Erschrecke. Die GIS hatte uns Schlägertypen geschickt. Mit tief ins Gesicht gezogenen Schildkappen und großen Taschen. Dann wird es finster vor der Tür. Sie haben mir das Guckloch zugepickt. Schlagartig bin ich munter. Heule auf wie eine Alarmanlage, schlage die Kleinkriminiellen mit meinem Gekreische in die Flucht. Damit bestätigt meine empirische Studie: Diebe spionieren erst aus und rennen davon, wenn jemand Alarm schlägt. Und sie sind höflich, läuten brav an der Tür.

Andrea, unsere vereitelte Kripo-Beamtin und Doch-lieber-Nicht-Diebin, hatte neulich Geburtstag. Als Überraschung haben wir sie in einen Raum sperren lassen. Mit uns. Klingt arg, ist es nicht. Das Ganze nennt sich Escape-the-room und ist ein angesagtes Gesellschaftsspiel. In Themen-Räumen – wir waren in einem Theater – sucht man Hinweise, mit denen man Rätsel löst und Schlösser öffnet. Dauert eine Stunde, hat der Profi gesagt. Wir waren in einer Minute fertig. Weil Andrea hungrig war und sich nicht lange mit Rätseln aufhalten wollte. Hat das entscheidende Schloss binnen Sekunden geknackt. Der Veranstalter sagt, so etwas hat er noch nie erlebt. Sie sei die geborene Einbrecherin ...