Meinung
05.12.2011

Ein letztes Mal zittern

Gegessen: Contador verteidigt den Toursieg gegen überraschend guten Schleck. Cancellara gewinnt Etappe, Menchov überholt Sanchez.

31 Sekunden schneller war er, der Alberto. Und es hat ihn viel gekostet, so paniert hat man ihn noch selten gesehen. Kein breiter Grinser in Sicht, und sein obligater Finger-Pistolen-Salut war zittrig, Lammschweif nix dagegen. Wer hätte gedacht, dass Andy ihn heute noch so in Bedrängnis bringen kann? Und ihm auf den ersten 10 km sogar noch ein paar Sekunderln abnimmt? Was ging da wohl in Contadors Kopf vor, als er das hörte? Es ist immer wieder arg, gerade im Zeitfahren, wie viel die Leute aus sich rausholen können, wenn's wirklich um was geht. Und ausserdem hat Schleck auch viel geübt seit letztem Jahr. Vielleicht gibt es diesen Winter ja mal ein ganz anderes Training: Bedienung einer Gangschaltung. Weil 39 Sekunden zwischen Platz 1 und 2, das ist ironischerweise genau die Zeit, die Andy mit der abgeworfenen Kette liegengelassen hatte. Was soll man sagen?

Wahnsinn, diese Tour. Spannend bis zur letzten Sekunde. Aber, so es jetzt alle aufrecht nach Paris schaffen (und keine positive Überraschung aus Chatenay-Malabry kommt), ist das Podium fix. Zur Disposition steht einzig noch das Grüne Trikot, und das hat Thor Hushovd gestern im Interview praktisch schon aufgegeben. Diesmal hat ihm die Taktiererei nix genutzt, es fehlt einfach wirklich der Morchel in den Schenkeln, um aus einem Massensprint was zu reissen. Petacchi muss jetzt nur noch nicht allzu weit hinter dem morgigen Sieger (Cavendish, wer sonst?) ins Ziel fahren, dann hat er's und braucht nur noch hoffen, nicht nachträglich gesperrt zu werden.